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    Winterlust

    Für den Platz im Paradies

    Ostern ist in Kärnten legendär, prachtvoll und lebendig: Pilger bezwingen Berge, Kinder verjagen den Tod und Butter wird zum Kunstobjekt

    Mehr als bunte Eier: In Kärnten wird zu Ostern geschmückt und getanzt, gelärmt und gepilgert. Vierbergler, Tafelngeher und filigran verzierte Schmankerln lassen im südlichsten Bundesland Österreichs sagenumwobene Legenden und lang gehegte Bräuche für den Feriengast lebendig werden.


    Vergebung nach vier Gipfeln
    Jedes Jahr am zweiten Freitag nach Ostern begeben sich in Mittelkärnten tausende Pilger auf den traditionellen Vierbergelauf. Dabei erstürmen sie vier Berggipfel, 50 Kilometer und 2.500 Höhenmeter in etwa 16 Stunden – und alles nur, um ihre Sünden loszuwerden. Um Mitternacht beginnt vom Magdalensberg der Pilgermarsch. Unter Glockenläuten und mit entzündeten Fackeln, folgen die Teilnehmer dem Vorbeter in die Nacht hinaus. „Jeder Vierbergler weiß, es ist zwar ein sehr anstrengendes Brauchtum, aber auch ein wunderschönes“, so beschreibt ein Teilnehmer den Pilgerlauf. „Wenn die ersten Anstiege geschafft sind, entschädigt die aufgehende Sonne am Ulrichsberg mit der atemberaubenden Aussicht auf Klagenfurt für die Strapazen.“ Krönender Abschluss der Pilgerwanderung ist am Abend der Lorenziberg. Während der Wanderung sammeln viele Pilger das sogenannte Berglerlaub, Zweige immergrüner Pflanzen, die geweiht und später für religiöse Rituale verwendet werden. Auch Getreidekörner tauscht man gerne gegen eine Handvoll geweihter Körner. Sie werden unter das Saatgetreide gemischt und sollen eine reiche Ernte bescheren. Fleißigen Pilgern, die dreimal am Vierbergelauf teilnehmen, verspricht die Legende einen sicheren Platz im Paradies. Und so schnüren jedes Jahr erneut viele Pilger ihre Wanderschuhe, denn die Legende besagt auch, dass der Brauch des Vierbergelaufs niemals aufhören darf, sonst würde die Welt untergehen. Die nächste Wallfahrt startet mit der Mitternachtsmesse auf dem Magdalensberg am 5. Mai 2011.

    Klappern fürs ewige Leben
    Am Gründonnerstag und Karfreitag erfüllt ohrenbetäubender Lärm das sonst so beschauliche Liesertal. Dann ziehen Kinder mit merkwürdigen Klapperinstrumenten lautstark durch das Dörflein Pleßnitz. Mit sogenannten Tafeln - Holzbrettern, an deren Vorderseite kleine Holzhämmerchen befestigt sind - umrunden sie dreimal die Kirche St. Johann Baptist.
    In dieser befindet sich das geschnitzte Haupt des Heiligen Johannes, dem wundertätige Kräfte nachgesagt werden. Damit diese erhalten bleiben, gelobten die Dorfbewohner einst das „Tafelngehen“. Schon die kleinsten Pleßnitzer klappern um die Wette. Der fünfjährige Martin steht mutig in der ersten Reihe und streckt voller Stolz seine Tafel hoch: „Die Ratschn hab ich von meinem Großvater geschenkt bekommen“, erzählt er. „Damit ist er schon als kleiner Bub den Tod erschrecken gegangen“. Mit dem Ruf „Toad aue“ (Tod heraus) wird der Tod aus seinem Versteck gelockt. Kaum ist der Ruf verhalt, stürmen Jugendliche als Tod verkleidet auf die Kinder zu. Mit Geschrei setzt sich der Zug fort, bis die Friedhofstüre erreicht ist, denn nun sind alle vor dem Zugriff des Todes sicher. Doch manchmal spüren die Dorfbewohner auf dem Heimweg noch seinen „Zusel“ - ein mit Jauche getränktes Tuch - wenn er im Schatten der Häuser umherschleicht.

    Köstlich, kunstvoll und butterweich
    Außen filigran verziert, innen süß gefüllt – zur Osterzeit kommt die Butter in den Nockbergen in ungewohnter Form auf den Tisch. Die Mischung aus Mohn, Rosinen, Nüssen, Zucker, oft auch Zitronenmelisse oder Zimt sowie einem Schuss Rum geben der gefüllten Osterbutter ihren unvergleichlichen Geschmack. Neben dem Gaumen freut sich auch das Auge: Ornamente und Ostermotive machen die gewöhnliche Butter zum Kunstobjekt. Handgemachte Butterformen aus Holz verleihen mit ihren aufwendig gestalteten Schnitzereien die künstlerische Note. „Das Buttermodel-Arbeiten hat bei uns eine lange Tradition“, so Bildhauermeister Franz Leeb aus Gnesau. „Man muss schon ganz genau auf die Details achten, wenn man die Butterformen schnitzt. Durch die weiche Oberfläche sieht man beim Abdruck selbst das feinste Detail. Einen Schnitzer darf man sich da nicht erlauben.“ Nach dem Kühlen in den Formen wird die gefüllte Butter in dünne Scheiben geschnitten. Am liebsten essen die Kärntner dazu einen klassischen Reinling. Die Süßspeise wird aus Hefeteig geknetet und mit Zucker, Zimt, Rosinen, Butter oder manchmal auch mit Walnüssen gefüllt. Zu Ostern wird der Reinling traditionell zur Osterjause, bestehend aus Schinken, Eier und Kren gereicht.

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