Highlights des Carinthischen Sommers

Sabine Weyrer

Im Sommer darf man sich in Kärnten im Zuge des Carinthischen Sommers auf ein Fest der Musik freuen. Hochkarätige Konzerte laden zu musikalischen Stunden auf höchstem Niveau. Eine aufregende Mischung aus Klassik, Zeitgenössischem, Jazz, Volksmusik, Rap, Kirchenmusik und Crossover.

Am 1. August wird im Alban Berg Konzertsaal in Ossiach gesungen, gejodelt und gedudelt mit Agnes Palmisano & Spafudla. Neue Lieder aus Kärnten präsentieren Ulla Pilz, Bartolo Musil, Akos Banlaky und Jano Kastelic im Domenig Steinhaus in Steindorf am Ossiacher See am 4. August. Zwei Tage darauf, am 6. August, darf man im Schloss Damtschach den Klängen aus Renaissance und Barock unter dem Titel „Suns and Daughters“ lauschen.

Werke von Gustav Mahler, Gioachino Rossini, George Enescu und Antonín Dvořák spielt das Kärntner Sinfonieorchester am 8. August im Congress Center Villach. Als Bariton wird Clemens Unterreiner auftreten. Das Klemens Marktl Sextet feat. Joe Locke aus den USA füllt den Alban Berg Saal am 9. August mit jazzigen Klängen.

Das clowneske Theater für Kinder, „Die Martha im Koffer“, wird am 10. August im Foyer des Congress Centers Villach aufgeführt. Zu einer Reise in die Zeit von Hildegard von Bingen, Michael Ellison und Thierry Pécou lädt das Kammermusik Ensemble Variances am 11. August in der Stiftskirche Ossiach. Die Unterbiberger Hofmusik erklingt am 12. August im Congress Center Villach. Klassisch wird es, wenn Pianistin Shani Diluka am 13. August, ebenfalls in der Stiftskirche Ossiach, Werke von Claude Debussy, Edvard Grieg, Franz Schubert, Franz Liszt und Ludwig van Beethoven gefühlvoll zur Aufführung bringt.

Stummfilm mit neuer Musik

Das Open-Air Kino im Innenhof der Musikschule Villach präsentiert am 14. August den Stummfilm „The Cameraman“, welcher mit neuer Musik von Bruno Cesselli untermalt wird. Auch Lukas Kranzelbinder darf beim Carinthischen Sommer natürlich nicht fehlen: Sein Konzert findet am 15. August im Bambergsaal Villach statt. Neue Werke von Karl Naegelen, Frédéric Pattar und Roméo Monteiro werden im Domenig Steinhaus in Steindorf am Ossiacher See am 17. August zu hören sein und die charmanten Herren von SVÄNG präsentieren ein Ensemblespiel auf der Mundharmonika am 18. August im Omya-Werk in Gummern.

 

 

Picknickkonzerte

Großer Beliebtheit erfreuten sich die Picknick-Konzerte im Schloss Damtschach, die auch heuer wieder stattfinden und zwar am 19. August von 11 bis circa 21 Uhr unter dem Motto „Mozart & Friends“ mit dem Ensemble Prisma, Tonč Feinig und Reinhold Schmölzer. Die Leitung obliegt Thomas Fheodoroff. Es ist ein Fest im Garten mit Menschen, die sich gerne von Musik und Landschaft verzaubern lassen.

Am 22. August ertönen Gitarrenklänge von Christoph Denoth in der Bergkirche Tiffen. Protestantische Lebenswelten in der Musik um das Jahr 1600 werden am 23. August in der Evangelischen Kirche im Stadtpark Villach aufgeführt. Zwei führende Ensembles der Alten Musik in Österreich, das Wiener Originalklangensemble dolce risonanza und das Vokalensemble Cinquecento, werden diese Musik in die Jetztzeit holen.

Sväng

Picknickkonzerte

Fulminanter Abschluss mit den Brahms-Zyklen

Auf das abschließende Konzerthighlight darf man sich besonders freuen: Brahms Zyklus 1 und 2 werden am 24. und 26. August im Congress Center Villach den diesjährigen Carinthischen Sommer mit dem Orchestra della Svizzera Italiana unter der Leitung von Dirigent Markus Poschner gebührend zum Ausklang bringen.

Tickets sowie alle weitere Veranstaltungen des Festivals „Carinthischer Sommer“ unter www.carinthischersommer.at

KSO

Kirchenoper„Hemma – Eine Weibspassion“

Uraufführung

Macht und Gier im stetigen Feldzug gegen Sanftmut und Güte: Heuer gelangt die Kirchenoper „Hemma – Eine Weibspassion“ im Zuge des Carinthischen Sommers zur Uraufführung in der Stiftskirche Ossiach. Die weiteren Konzerte laden ebenfalls zu musikalischen Stunden im Süden ein.

Stiftskirche Ossiach

Stiftskirche Ossiach

Aufgewühlt wirkt er an diesem Abend, der Ossiacher See. Das reinigende Sommergewitter, welches über der Gerlitzen Alpe kurz den südlichen Himmel verdunkelt, hat die Wellen im See zum Tanz aufgefordert. Takt für Takt schwappen sie nun ans Ossiacher Seeufer, mal schneller, mal langsamer – symbolisch ruhelos hin und her schwankend für die Geschichte, die derzeit in der nahen Stiftskirche am Entstehen ist. Eine Geschichte über Ideale, Lebenseinstellungen und Werte. Eine Geschichte, die zur Legendenbildung beitrug und eine Frau über die Jahre hinweg zur der Figur heranwachsen lies, welche bis heute nichts an Zauber und Magie verloren hat, die sie damals ausgestrahlt haben muss: 

Hemma. Geboren um 980, verstorben am 29. Juni 1045. Seliggesprochen im Mittelalter, als Heilige verehrt seit 1938. Begründerin des ersten Frauenklosters in Gurk, Stifterin des Gurker Doms und zahlreicher Kirchen in Kärnten. Frau, Landesmutter, Heilige. Ihre Geschichte ist historisch nur knapp belegt, ragt jedoch an Faszination so hoch empor, wie die beiden imposanten Doppeltürme des Gurker Doms, in dessen Krypta sie ihre ewige Ruhestätte gefunden hat.

„Moderner Blick auf die menschliche Seele“

Grund genug, um ihr eine Kirchenoper zu widmen, das befand auch Diözesanbischof Alois Schwarz, der die Idee dazu hatte. Das Auftragswerk des Carinthischen Sommers ist eine Kooproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt, der Festivalchor und das Kärntner Sinfonieorchester werden von Dirigent Simeon Pironkoff dirigiert. Das Libretto zum Stück schrieb der Schriftsteller und Bachmannpreisträger Franzobel, Komponist Bruno Strobl hat es vertont. Mit einer Komposition und Inszenierung, die das Mittelalter kurzerhand in die Gegenwart holt, wie die österreichische Regisseurin Kristine Tornquist verrät:

 

 

„Die zeitgenössische Inszenierung wird ein moderner Blick auf die menschliche Seele. Die Handlung dreht sich um das Leben Hemmas, ihrer Ehe zu Graf Wilhelm II., ihrer Rolle als Mutter und lenkt den Blick auf den innerlich lodernden Konflikt, der sie zeitlebens begleitete: Wie soll man leben? Soll man sozial sein oder geht man unter, wenn man sozial ist?“ Der Brutalität und den Hierarchien ihrer Zeit, verkörpert durch den gräflichen Ehemann und Erzbischof, soll sie sich mit Intelligenz und Unbeugsamkeit widersetzt haben.

„Die Instrumente wispern, zwitschern, scharren und knistern“

Die Musik ist demnach sehr leidenschaftlich mit entsprechender Gestik. „Die Komposition beinhaltet sehr viel Geräusch und ist experimentiell. Die Instrumente wispern, zwitschern, scharren und knistern, man wird Klänge hören, die man so noch nie zuvor gehört hat. Das Stück ist sehr anspruchsvoll, aber die Musiker und Sänger haben Spaß daran“, erzählt Tornquist.

Im Konflikt mit sich selbst

In der Rolle der Hemma fungiert die französische Mezzosopranistin Juliette Mars. Das unglaublich Schwierige für sie war es, Hemmas Sanftmut und Güte in allen Lebenslagen herauszuarbeiten: „Zum einen strahlt sie Selbstbewusstsein und Klugheit aus, zum anderen andauernde Demut. Ständig konfrontiert mit Macht und Gier verliert sie durch Aufstände Mann und Söhne, gibt sich die Schuld daran und am Ende, wo alles verloren scheint und sie zwischen Wahnsinn und Heiligtum ringt, entscheidet sie zu geben. Alles an Reichtum zu geben. Diese Schenkung soll demnach den Menschen als Botschaft dienen, dass durch Gewalt und Gier nichts gewonnen werden kann, sondern nur durch die Liebe zueinander.“

Eine Oper in zwei Kirchen

Aufgeführt wird die komplexe Kirchenoper in zwei verschiedenen Kirchen, der Stiftskirche Ossiach und der Basilika Maria Loreto in St. Andrä im Lavanttal. Die Uraufführung findet in der Stiftskirche statt, wo derzeit eine Henkersbühne vor dem Altar aufgebaut wird, ein Richtplatz als Sinnbild dafür, wie hart die Welt ist und wie schwer es ist, darin seinen richtigen Platz zu finden. „Der Wunsch des Carinthischen Sommers war es, die ganze Kirche zu bespielen, an beiden Spielorten, das ist aufgrund der großen Unterschiede in den Kirchenräume eine eigene Herausforderung, ich habe versucht, diesen Wünschen bestmöglich zu entsprechen“, berichtet Tornquist. „Die Akustik der beiden Kirchen ist sehr unterschiedlich, die eine intim, die andere offen und weit. In Maria Loreto sind die Wege länger, Ossiach ist für mich hingegen wie ein Zuckerbäckerkunstwerk.“ Zu helfen muss man sich da schon wissen: Welcher Schauspieler für welchen Weg wie lange braucht, errechnete Tornquist einfach anhand der Takte der Partitur. Geprobt wird bereits seit Anfang Juli, an die 50 Personen arbeiten vor und hinter den Kulissen für eine gelungene Aufführung.

 

 

Stellt sich somit nur noch eine Frage: Warum spielt die Oper nicht im Dom zu Gurk, wo die sich die Ruhestätte der Heiligen Hemma befindet?

Tornquist: „Das hat vielerlei Gründe, auch in politischer Hinsicht. Aber ich fände es unglaublich schön, wenn wir die Kirchenoper in Gurk aufführen könnten.“

INFOS:
Kirchenoper – Bruno Strobl: Hemma

Sa 29.7.2017 / 20 Uhr
So 30.7.2017 / 20 Uhr
in der Stiftskirche Ossiach

Mi 2.8.2017 / 20 Uhr
Do 3.8.2017 / 20 Uhr
in der Basilika Maria Loreto in St. Andrä im Lavanttal

Die Hemma von Gurk