Gemüse ernten ohne eigenen Garten

Gärtnern ohne Garten? Die Gründer von myAcker.com  Christoph Raunig und Patrick Kleinfercher machen es möglich. Auf ihrer Seite myAcker.com kann jeder, der Lust auf Gärtnern aber keinen eigenen Garten zur Verfügung hat, online einen Gemüsegarten anlegen und pflegen. 

Jeder online angeleitete Schritt, wie gießen, jäten usw. wird vom myAcker-Team vor Ort auf dem Acker im Kärntner Mühldorf umgesetzt. Hat man sich die Saison über gut um den Garten gekümmert und auf den Befehl „Zum Ernten“ geklickt, liefert das Team von myAcker.com das eigene Gemüse per Post bis an die Haustür.

 

 

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myAcker.com das Gemuesefeld

Wenn alles gedeiht auf dem Feld

Wenn alles gedeiht auf dem Feld

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myAcker.com Lieferung nach Hause

Gut verpackt geht meine Ernte auf Reisen

Gut verpackt geht meine Ernte auf Reisen

Garten arbeiten vom Laptop aus

In warmes gelbes Licht getaucht, liegt mein Acker am Morgen vor mir. Die ersten Sonnenstrahlen erwärmen die Erde mit 34307 Lux. Das ist bei den derzeitigen Temperaturen wichtig. Frische 7,62 °C sind es erst und ein leichter Hauch mit 2,99 km/h weht über den Acker. Immerhin liegen die Temperaturen nicht mehr unter Null und die Bodenfeuchtigkeit liegt bei 42%. Damit die ersten zarten Pflänzchen gut gedeihen, muss die Bodentemperatur allerdings steigen. Um sie vor Frost zu schützen, habe ich bereits ein Fließ darübergelegt (bzw. legen lassen). Jetzt klicke ich mich durch die Liste der Gemüsesamen und schaue, welche Samen freigegeben sind und bereits gepflanzt werden können. All das sehe bzw. erledige ich von meinem Laptop zu Hause aus, ohne den Garten zu betreten.

myAcker.com Bio und Technik

Bio und Technik sind kein Widerspruch

Vom virtuellen Garten bis zur Lieferung der realen Karotte

Doch wie funktioniert das Onlinegärtnern und wie komme ich am Ende zu meinem Gemüse? Christoph Raunig, einer der beiden Gründer von myAcker.com erklärt mir den ganzen Prozess am Beispiel einer Karotte. Für 99 Euro erhält man drei Quadratmeter Garten, aufgeteilt in drei Parzellen. Im Startpaket enthalten sind 300 Credits, das ist die Währung auf myAcker.com und entspricht einem Wert von 60 Euro. Fünf Mal gießen kostet beispielsweise 15 Credits. Denn jeder Arbeitsschritt den man online tätigt, wird in Wirklichkeit von fleißigen Händen auf dem Acker ausgeführt und entlohnt. Ist der Onlinegarten freigeschaltet, lautet die erste Anweisung: „Pflüge deinen Garten um“. Ein Klick auf den Button - und Gartenbaumeisterin Daniela macht sich an die Arbeit. Sie bekommt auch den Auftrag, das Gemüse auszusäen. Man kann zwischen verschiedenen Sorten auswählen und erhält gleichzeitig interessante Informationen dazu. So erfahre ich beispielweise, dass Karotten Doldenblütler sind und das Innere der Karotte „Holzkern“ und das Äußere „Rinde“ heißt. Die ganze Saison über muss ich mich nun um meine Karotten kümmern, das heißt regelmäßig gießen, Unkraut jäten, eventuell Schädlinge bekämpfen. Alles per Mausklick. Versteht sich.

 

 

myAcker.com regelmäßiges Gießen der Pflanzen

Ohne Wasser keine Ernte

Damit es im Garten gut gedeiht, erhält man regelmäßig Tipps und Erinnerungen. Die notwendigen Aufgaben hat nicht nur Gartenbaumeisterin Daniela im Blick, sondern auch die Technik. Denn der gesamte Acker ist verkabelt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird die Bodentemperatur und -feuchtigkeit gemessen und mittels Algorithmen die Reifestadien der Pflanzen berechnet. Per Webcam kann man jederzeit einen Blick auf das eigene Beet werfen und die genauen Messwerte abfragen. Aber auch die Arbeitsschritte auf dem Acker werden immer weiter verbessert und mit technischen Lösungen vereinfacht. Das ist wichtig, denn bislang wurden schon 30.075 Arbeitsschritte unternommen. Allein das regelmäßige Gießen wäre ohne den automatischen Gießwagen wohl kaum zu meistern. 

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myAcker.com Unkraut zupfen

Auch das Unkraut muss gezupft werden

Auch das Unkraut muss gezupft werden

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myAcker.com erfolgreiche Ernte

Erfolgreiche Ernte

Erfolgreiche Ernte

Doch zurück zu den Karotten. Hat man sich die gesamte Saison über gewissenhaft gekümmert und Glück mit dem Wetter gehabt, sind die Karotten zur Ernte bereit. Auf dem Bildschirm erscheint die langersehnte Nachricht „Eine Reihe zum Ernten verfügbar“. Ein weiterer Klick und das Gemüse wird geerntet, in eine Kiste verpackt und über Nacht bis vor die eigene Haustür geliefert. Co2-neutral. Versteht sich.

Regionale Lebensmittel schätzen

Die Idee für dieses Projekt kam dem Kärntner Christoph Raunig vor circa vier Jahren. Als gelernter Mechaniker war er einige Jahre Vertriebschef eines Autohauses. Als er nebenbei das Studium der Wirtschaftspsychologie begann, kamen bei ihm Fragen auf: Warum geben Menschen ohne zu Zögern 1000 Euro für ein neues Handy aus, während beim Lebensmittelkauf jeder Cent zu viel zu sein scheint? Warum ist die Wertschätzung für gute, regionale und biologische Lebensmittel immer noch so gering? Für ihn lag die Antwort auf der Hand: Weil Menschen einfach nicht mehr wissen, wie viel Arbeit es bedeutet, eigenes Gemüse großzuziehen, Misserfolge zu erleben und am Ende doch noch die Freude über eine hoffentlich gute Ernte zu spüren. Der Bezug zu Lebensmitteln geht in den Supermärkten mit ihren vollbeladenen Regalen und dem harten Preiskampf verloren. Dabei erinnerte sich Christoph Raunig an den frischen Salat aus dem Garten seiner Oma. Ohne eigene gärtnerische Vorahnung, war die Projektidee geboren. Er wollte einen Acker, auf dem jeder die Möglichkeit bekommen sollte, eigenes Gemüse anzubauen. Ohne grünen Daumen, ohne einen eigenen Garten besitzen zu müssen, sollte jeder mit Hilfe eines ferngesteuerten Gemüsegartens selbst zum Gärtner werden können und wieder eigene Produkte in der Hand halten.

myAcker.com die Gründer Christoph und Patrick

Die Gründer Christoph und Patrick vor ihrer MYA_Icosa-Station

Ein Projekt braucht die richtigen Partner

Mit Patrick Kleinfercher fand er einen Partner, der das nötige technische Know-how mitbrachte. Als gelernter Tischler und späterer Creative Director im Sporthandel sind neue Herausforderungen genau sein Ding. Drei Wochen sollte das Aufsetzen der Plattform dauern, drei Jahre sind es geworden. Denn gut Ding, braucht Weile, wie beim Gemüseanbau. Beim Entwicklungsprozess hielten sie sich beharrlich an Grundwerte, die sie zu Beginn formulierten. Denn mit ihrem Projekt myAcker.com wollten sie nicht nur spielerisch ein ernstes Thema vermitteln sondern auch regionale Strukturen stärken und Jobs in Kärnten schaffen. Nachhaltiges Wirtschaften und ein faires Miteinander mit Partnern waren dabei ebenso wichtig wie Natürlichkeit, Transparenz und somit die volle Kontrolle der Onlinegärtner über ihre eigenen Produkte. Mit viel Konsequenz haben sie sich bis heute daran gehalten.

myAcker.com das Team

Das Team leistet richtig gute Arbeit

Gartentipps von Oma

Bevor das ganze Projekt allerdings starten konnte, musste gärtnerisches Know-How her. Denn weder Christoph noch Patrick hatten einen grünen Daumen. Einen großen Schatz an Wissen und Erfahrung fanden sie bei Christophs Oma. Seit Jahrzehnten pflegt sie ihren eigenen Garten und weiß am besten, was im Kärntner Mölltal gedeiht. Immerhin befindet sich der myAcker-Acker in Mühldorf auf circa 700 Metern über dem Meeresspiegel. Auf dieser Höhe beginnt alles circa vier Wochen später zu wachsen und sollte am besten leichtem Frost standhalten. Zumindest hat man hier, so Christoph, aber kein Problem mit zu großer Trockenheit, mit der andere Regionen im Sommer zu kämpfen haben. Eine weitere große Unterstützung kam von einer örtlichen Gärtnerei. Sie half beim richtigen Anlegen und Pflegen der Beete und Pflanzen und liefert das gesamte biologische Saatgut für den modernsten Acker Österreichs. Denn trotz neuester Technik werden die Beete vollständig biologisch bewirtschaftet. Bald soll die Biozertifizierung folgen.

Den Online-Acker besuchen und daraus lernen

Seit die Plattform myacker.com im Jahr 2017 online ging, wächst die Gärtnergemeinschaft stetig an. Waren es am Anfang circa 25 Freunde und Bekannte, sind mittlerweile circa 1560 aktive Onlinegärtner fleißig bei der Arbeit. 6500 Parzellen sind bereits verkauft. Der hochmoderne Acker lockt nicht nur online sondern auch im realen Leben viele Interessierte an, wie zum Beispiel die umliegenden landwirtschaftlichen Schulen. Aber auch einige Gartenbesitzer waren im letzten Jahr schon vor Ort und haben sich ihr kleines Stückchen Land in Kärnten angesehen. Häufig sind es Eltern mit ihren Kindern, aber auch Schulklassen, die mit myAcker.com spielerisch das Gärtnern lernen und gleichzeitig viel über Lebensmittel, Saisonalität und Verantwortung vermittelt bekommen. 

 

 

Aber auch Unternehmen haben sich ihre eigenen Gärten angelegt und bestücken ihre firmeninternen Mittagsmenüs mit frischem Gemüse aus dem eigenen Garten. Diese Begeisterung und das Interesse am Gärtnern wollen die beiden Geschäftsführer Christoph und Patrick in den kommenden Jahren weiter aufgreifen und vor Ort einige Bildungsprogramme schaffen. Ein Rundgang mit Infos direkt von der Gemüsebaumeisterin sind in Planung. Zusätzlich sollen weitere Kooperationen in der Region entstehen. Zum Beispiel mit dem Kräuterdorf Irschen (http://www.kraeuterdorf.at/) oder der Schaukäserei Kaslab'n (https://www.kaslabn.at/) in Radenthein. Denn beide hoffen mit ihrem Projekt das Bewusstsein für gute heimische Produkte zu schärfen und auch die regionale Entwicklung mit zu stärken.

myAcker.com zu Besuch in meinem Gemüsegarten
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Zu Besuch bei meinem Gemüsegarten

myAcker.com ist auch ein Marktplatz

In diesem Sinne wurde im letzten Jahr auf myAcker.com (https://myacker.com/de/inside/marktplatz/) auch der Marktplatz eröffnet. Hier floriert der Handel nicht nur unter den Online-Gärtnern. Denn neben myAcker-Gemüse, findet man hier auch einige Köstlichkeiten von anderen regionalen Erzeugern. Das Sortiment reicht von Marmeladen über Tees bis zu Linsen. Jeder kann hier Kärntner Produkte bestellen oder in die eigene Erntekisten packen lassen.

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