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Franz Klammer Filmpremiere

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Kärnten: Wo Legenden groß werden
Zuhause bei Franz Klammer





Wie war die Kindheit hier in den Kärntner Bergen?

Franz KlammerSehr einfach, aber trotzdem gut. Meine Familie hatte einen Bergbauernhof mit Gasthaus. Im Sommer gab es viel Arbeit und im Winter viel Zeit zum Skifahren. Wir waren jeden Tag auf den Brettern. Meine Mutter hat mich auf die Skier gestellt und dann habe ich Ruhe gegeben. Das war ein guter Babysitter. Kaum sind wir aus der Schule gekommen, waren wir schon draußen. Boden getreten, Sprungschanzen bauen, Slalom stecken – alles haben wir selbst gemacht. Am Abend haben mich meine Eltern immer heimholen müssen, weil ich nicht genug kriegen konnte. Erst im achten Lebensjahr bin ich das erste Mal mit einem Lift gefahren. Das war ein Erlebnis!

Mit 14 Jahren sind Sie dann ihr erstes Rennen gefahren …

Franz Klammer: Ja, das ist eigentlich spät, aber vorher hatte ich keine Gelegenheit. Durch die Mithilfe in der Landwirtschaft war ich körperlich fit und musste für das erste Rennen nur ein wenig Skifahren trainieren. Beim ersten Rennen auf dem Gutenberg im Gailtal war ich auf Anhieb Zweiter. Beim zweiten Rennen am nächsten Tag habe ich gewonnen. Ein Jahr später war ich im Kärntner Jugendkader und wurde dreifacher Meister. 

Danach ging es ja recht flott weiter mit der Rennfahrer-Karriere …

Franz Klammer: Ich wollte immer etwas mit Skifahren machen und das Rennfahren hat mir noch viel mehr Spaß gemacht. Dass das natürlich so ausartet, damit war nicht zu rechnen. Ich habe mein ganzes Leben dem Skifahren untergeordnet. Du musst halt mehr trainieren als die anderen und sich selber etwas zutrauen, das ist wichtig. Außerdem braucht es im Sport Disziplin. Und wenn man Sachen macht, dann muss man sie mit Freude machen und mit Überzeugung dabei sein. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man etwas anderes machen. Alles, was ich gemacht habe, habe ich irrsinnig gerne gemacht.

Nach den großen Erfolgen kamen verlockende Angebote für das Ausland. Warum sind Sie in Kärnten geblieben?

Franz Klammer: Finanziell wäre das super gewesen, aber ich bin hier aufgewachsen und mag die Mentalität der Menschen. Hier ist alles ein bisschen gemütlicher. Die Kärntner wissen, wie man feiert, aber auch wie man arbeitet. Die Atmosphäre, die Natur, die Kulinarik, die Nähe zu Italien – ich möchte nirgendwo anders leben. Die Berge empfinde ich als beruhigend. Es ist so ein erhabenes Gefühl, wenn man oben steht und den Blick in die Ferne schweifen lässt. Als Bub habe ich auf der Alm viel gearbeitet. Heute genieße ich es anders. Damals als Bub ist mir noch nicht aufgefallen, wie schön es ist. Das habe ich erst schätzen gelernt, als ich andere Länder gesehen haben.

Winterliebe mein Leben... meine Zeit

Das Plakat zum Film über Ihre Abfahrt bei den Olympischen Winterspielen 1976 hängt bereits in Ihrem Stiegenhaus. Haben Sie noch viele Erinnerungsstücke aus Ihrer aktiven Zeit als Ski-Rennfahrer?

Franz Klammer: 
Ich habe fast alles für gute Zwecke hergegeben. Deshalb habe ich nur wenige Sachen von damals. Aber ich weiß ja, wie es war. Die Erinnerung daran ist wichtig. Ich bin auch nicht so der Fotografierer. Ich speichere die Bilder lieber direkt in meinem Kopf und bin ganz im Moment.

Im Sommer sieht man Sie beim Golfen und Radfahren, im Winter noch immer beim Skifahren. Was bedeutet Ihnen das Skifahren heute?

Franz Klammer: Jetzt gehe ich nie alleine Skifahren. Ich bin immer mit Familie oder Freunden unterwegs. Skifahren ist für mich etwas, dass ich gerne gemeinsam mit anderen mache. Es ist eigentlich in soziales Ereignis. Wir plaudern am Lift und besprechen zusammen, wo wir runter fahren. Am liebsten fahre ich, wenn es guten Schnee und blauem Himmel gibt. Ich bin mittlerweile zum Schönwetter-Skifahrer geworden. Wir haben traumhafte Skigebiete, die sich nicht verstecken müssen. Skifahren ist heute viel einfacher geworden. Dabei geht’s nicht um Geschwindigkeit oder Technik, sondern viel mehr darum, dass es am Ende des Tages ein tolles Erlebnis war.

Genießen Sie jetzt die Zeit mit Ihrer Familie bewusster?

Franz Klammer: Ich war viel unterwegs und sehe bei unseren Enkeln, was ich bei meinen Kindern vielleicht beim Aufwachsen versäumt habe. Oder hat man das früher einfach anders wahrgenommen? Wahrscheinlich ändert man sich auch selbst. Mein Enkel Felix ist drei und Alexander etwas über ein Jahr.

Aus der Küche duftet es bereits. Was mögen Sie an der Kärntner Kulinarik?

Franz Klammer: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Wir sind hier ja in einem Schmelztiegel dreier Länder – Kärnten, Friaul-Julisch-Venetien und Slowenien. Das heißt, auch die Küche ist ein bunter und köstlicher Mix der drei Kulturen. Ehrlich und regional. In meiner Kindheit habe ich zum Frühstück auch Sterz bekommen. Wenn ich länger weg war, habe ich daheim immer Kasnudln bekommen. Das ist schon etwas Besonderes und aus gutem Grund das nationale Gericht. Oder man sitzt oben auf der Alm mit Freunden bei einer Jause mit Speck und selbst gebackenen Brot – und lässt die Seele baumeln. Was Besseres gibt es nicht. Bei uns in Kärnten ist es wirklich lebenswert: die Kulinarik mit ihrem südlichen Einfluss, die Seen im Sommer, die Berge im Winter. Wenn ich auf die unglaubliche Natur schaue, empfinde ich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, dass ich hier aufwachsen durfte und auch noch heute hier meine Zeit verbringen kann.

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