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    Herbstlust

    Ostern in Kärnten – alte Traditionen und gelebtes Brauchtum

    In Kärnten zelebriert man dieses Fest mit viel Brauchtum und religiösen Gesten in ihrer ureigensten Form.

    Nach den langen, dunklen Wintermonaten wächst die Sehnsucht nach bunten Frühlingsblumen und dem ersten Vogelgezwitscher von Tag zu Tag. Während die Natur überall anders noch im Winterschlaf liegt, regt sich im Süden Österreichs schon der eine oder andere Halm und die ersten Schneeglöckchen bahnen sich mühsam den Weg durch den noch harten Boden. In Kärnten ist man bereits auf Frühling eingestellt. Und mit dem Einzug des Frühjahrs beginnt auch die Zeit der Frühlings- und Osterbräuche. Das Osterfest wird seit Anfang des 4. Jahrhunderts am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. In Kärnten zelebriert man dieses Fest mit viel Brauchtum und religiösen Gesten in ihrer ureigensten Form.

    Osterbräuche:
    Mit dem Osterfest verbindet man die ersten Narzissen, bereits grün gewordene Wiesen und Knospen übersähte Bäume. Doch in Österreichs südlichstem Bundesland steht hinter diesem großen religiösen Ereignis noch viel mehr. Alte sakrale Rituale und Bräuche sind über Jahrhunderte zur Tradition geworden und finden auch heute noch in allen Ecken und Tälern viel Zuspruch und werden mit Ehrfurcht angenommen.

    Die Karwoche – also die Woche vor dem Ostersonntag – beginnt mit dem Palmsonntag. An diesem Tag werden bunt geschmückte „Palmbuschen“ oder „Palmbesen“ (ein aus Palmkätzchen und Weidenruten gebundener Strauss) in die Kirche getragen und dort geweiht. Von Ort zu Ort verschieden werden dann die geweihten Palmbuschen entweder im Herrgottswinkel aufbewahrt, auf das Dach geworfen um das Haus vor Unglück zu schützen oder als Schutzmittel auf Babywiegen und Ehebetten gelegt. Und übrigens: wer am Palmsonntag lange schläft und als Letzter aus dem Bett steigt, der bekommt den nicht erstrebenswerten Titel „Palmesel“.

    Die Bräuche in der Karwoche stellen die traurigen Geschehnisse der Kreuzigung Christi dar. Viele halten sich in der gesamten Woche mit dem Genuss von Fleisch und anderen Leckereien zurück und fasten. Spätestens aber ab dem Gründonnerstag sollte man auf jegliche Art der Genüsse verzichten. Anstatt deftigem Essen wird in Kärnten an diesem Tag Spinat serviert. Und auch der Geist und die Seele sollten fasten. In Tresdorf im Mölltal findet am Gründonnerstag und Karfreitag die „stumme Passion“ statt. Eindrucksvoll und eben stumm wird die Leidensgeschichte Christi veranschaulicht. In ganz „Mittelkärnten“ (vom Ossiachersee bis ins Rosental) wird noch das Osterschießen gelebt. Am Gründonnerstag fliegen die Kirchenglocken nach Rom, so sagt man. Anstatt hellem Glockenklang hört man bis zur Auferstehung Christi im ganzen Land die Ratschen. Das sind kleine Holzstücke, die um ein hölzernes Zahnrad geschwungen sind und beim Drehen ein ohrenbetäubendes Geräusch von sich geben.

    Fastentücher – künstlerische Raritäten
    Eine Kombination aus Kunst und Brauchtum stellen die so genannten Fastentücher dar. Bereits seit über 1000 Jahren werden in der Fastenzeit, also von Aschermittwoch bis Karsamstag, die Kreuze und Altäre in den Kirchen mit diesen österlichen Hüllen verdeckt. Früher noch in ganz Europa verbreitet, findet man heute die meisten und ältesten Tücher in Kärnten. Zurückzuführen ist dieses Faktum wohl auf die strenge Brauchtumspflege der Kärntner Bevölkerung. Im Gurker Dom z.B. kann man das wohl größte und älteste Fastentuch bewundern. Auf 80 Meter sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt. Nicht nur für Historiker sind diese alten Kunstwerke von großem Interesse. Einmal davor gestanden lässt einen die mystische Aura der Tücher nicht mehr so schnell los.

    Karsamstag – das Ende der Fastenzeit
    Am Ende der Karwoche, am Karsamstag, geht die lange Fastenzeit zu Ende. Die
    Osterkörbe sind prall gefüllt mit Kärntner Köstlichkeiten. Zu einer echten Kärntner Osterjause gehören Schinken, Eier, Kren, Rindszunge, Selchwürste und das Osterbrot bzw. der Reindling. Bevor der Tisch aber gedeckt wird und man sich wieder den leiblichen Genüssen hingeben kann, wird die Jause geweiht. In ganz Kärnten finden rund um die Mittagszeit die Fleischweihen statt. Im Anschluss daran wird aufgetischt und nach einer 40-tägigen Enthaltsamkeit schmecken Schinken und Würste doppelt so gut. Achten sollte man auch auf die Wahl der Eier. Wer beim Eierpecken verliert, muss das Seine nämlich dem Gegner abgeben.
    In der Nacht auf den Ostersonntag wird die Auferstehung Christi gefeiert. Dazu wird begleitend vom dumpfen Klang der Böller überall das Osterfeuer entzündet. Die Wege durch Kärnten sind in dieser Nacht umgeben vom fackelnden Feuer der Osterhäufen und der Fackelträger, die über Wiesen und Felder wandern um diese vor Hagel und Unwetter zu schützen.


    Kugelstechen
    Am letzten Osterfeiertag, dem Ostermontag, geht’s für die Burschen aus der Umgebung rund um Villach ans Kugelstechen, ein alter Fruchtbarkeitsbrauch. Dabei werden zwei Holzkugeln mit einer „Spragel“ (einer 4 Meter langen Haselrute mit einer Schlinge am Ende) durch die Gegend geschleudert. Wer die Kugel weiter werfen kann bekommt einen Punkt in die Spragel geritzt.

    Die Osterzeit ist auch eine besondere „Hoch-Zeit“ für die Gotl oder den Goter (Taufpate). Die Patenkinder werden beschenkt und bekommen den „Gotenstrutz“ (entweder ein Kärntner Reindling oder eine Art Osterbrot), in dem meistens eine Münze steckt.
    Gespickt mit lauter alten Traditionen und Brauchtum ist die Osterzeit in Kärnten eine intensiv gelebte und kaum vergleichbare Zeit, in der viel Glaube und auch viel Abwechslung für Große und Kleine Osterhasen steckt.


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