Mittelalterliches Gmünd - Eine Stadt als Verführungs“künstler“

von Sabine Weyrer im Sommer 2017

Wer Kunst sucht, wird in Gmünd fündig. Hier gastiert seit 25 Jahren ein kunterbuntes Ensemble an heimischen, nationalen und internationalen Kunstgrößen. Albrecht Dürer, Werner Berg, Alfred Kubin, Francisco de Goya – von allen konnte man schon Werke in der mittelalterlichen Stadt bewundern. Heuer verzaubert Joan Miròs „Poesie der Farben“ die Besucher. Gmünd ist nicht nur eine Künstlerstadt, Gmünd ist eine Herzensangelegenheit.

Künstlerstadt Gmünd

Die Idee, eine Künstlerstadt ins Leben zu rufen, war 1991 die Antwort der Stadt Gmünd auf schleichende Abwanderung und leerstehende Häuser. Hier, inmitten der südlichen Berge des Alpenhauptkammes, am Schnittpunkt des Nationalparks Hohe Tauern und des Biosphärenparks Nockberge, zogen andere aus und die Kunst zog kurzerhand ein. Man gab der Vision eine Chance, versammelte kreative Köpfe, restaurierte liebevoll alte Häuser und verpasste diesen mit Galerien, Ateliers und Ausstellungsräumen einen neuen Anstrich. Was klein begann, erhob sich rasch zum Vorzeige-Beispiel regionaler Stadtentwicklung, zog Jahr für Jahr mehr Besucher an. 2.600 Einwohnern stehen rund 125.000 Tagestouristen pro Jahr gegenüber und 2011 erhielt Gmünd den europäischen Tourismuspreis EDEN AWARD.

Grund genug also, um dem mittelalterlichen Städtchen einen ausgedehnten Besuch abzustatten. Wer zum ersten Mal durch die historischen Gassen schlendert, sollte sich am besten an die Fersen eines „art guides“ heften, der einem die Künstlerstadt in all ihren Facetten zeigt. Mein Guide für den heutigen Nachmittagsausflug heißt Hannes. Er kennt die Stadt wie seine Westentasche, weiß zu jedem Winkel etwas zu erzählen, nennt sich selbst gerne mal scherzhaft „Mädchen für alles“ und gehört wie viele anderen zur Seele der Stadt.

 „Gmünd ist immer eine Reise wert. Man wird immer Neues entdecken, neue Künstler kennenlernen, neue Erfahrungen austauschen. Man kann Frühaufsteher oder Langschläfer sein, sich schon lange für Kunst interessieren oder diesbezüglich noch grün hinter den Ohren sein – das ist vollkommen egal, denn die Stadt hat für jeden etwas zu bieten. Die Kunst muss nicht jedem gefallen, unser Ziel ist es lediglich, dass man sich mit Kunst beschäftigt“, erklärt er die Philosophie.

art guide Hannes

Film/Kunst ab!

Um einen Überblick über das Angebot zu bekommen, gibt es zu Beginn einen kurzen Film im Kulturkino Gmünd. Die dortigen Stühle stammen übrigens noch aus der Zeit der Grafen Lodron und wurden eigens aus Italien über kleine Umwege nach Gmünd gebracht. Der Film zeigt, wie in 20 Häusern die Kunst gelebt wird: Galerien, Ausstellungen und Ateliers haben von Mai bis Oktober täglich geöffnet und Eintritt zahlt man lediglich im Stadtturm.

Joan Miròs „Poesie der Farben“

Im Stadtturm heuer zu sehen Joan Mirò

Im Stadtturm heuer zu sehen Joan Mirò

Über dem beeindruckenden und leicht skurrilen Skulpturenpark des heimischen Künstlers Fritz Russ und der Fotogalerie Krämmer führt uns unsere Reise zum Stadtturm, wo die heurige Sonderausstellung dem spanischen Künstler Joan Mirò gewidmet ist. Nach den großen Erfolgen von „Dürer in Gmünd“ im Sommer 2015 und „Goya in Gmünd“ im Vorjahr, steht damit wieder ein weltberühmter Meister der Druckgrafik im Mittelpunkt der großen Schau im Turm.

Hannes gibt gleich einen Einblick in sein farbenfrohes Schaffen: „Mirò zählt mit seinen fantasievollen Bildmotiven zu den populärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Wir sehen hier eine fantastische Auswahl an überwiegend großformatigen Lithografien, Radierungen und Holzschnitten aus drei Schaffensjahrzehnten.“ Und Mirò selbst soll einmal über seine Arbeit gesagt haben: „Ich versuche, Farben so anzuwenden, wie Wörter, die Gedichte bilden, wie Noten, die Musik bilden.“

Eine Herzensangelegenheit

Skulpturengarten Fritz Russ

In der Hausgalerie von Birgit Bachmann und Fritz Russ

Skulpturengarten Fritz Russ

Definitiv beeindruckt geht die Reise weiter und während wir durch die Gassen schlendern, merke ich es bereits – diese Stadt hat mein Herz erobert. Hier riskiert man gerne einen zweiten Blick in die malerischen Gassen mit ihrem italienischen Flair. In liebevoll restaurierten Häusern warten teils die kuriosesten Überraschungen und überhaupt hat sich hier so gut wie jeder der Kunst verschrieben, wie man in den einzelnen Ausstellungen sieht:

In der Galerie Gmünd warten Werke von Martina Tscherni, Aurelia Grather und Christoph Schirmer auf neugierige Augen, die Galerie Miklautz präsentiert einen Beitrag zum landesweiten Kunstprojekt „kopf.head.glava“, die Hausgalerie von Fritz Russ und Birgit Bachmann ist ein Raum voller Kunst und Atmosphäre, in der Galerie August taucht man in die Welt des international bekannten Fotografen Jens August ein und noch im heurigen Sommer wird das Holzfaltatelier eröffnet, ein innovatives Bildhaueratelier in halboffener Leichtbauweise. 

Die Kunst in der Stadt wächst und wächst und die Künstler pilgern mittlerweile nach Gmünd. „Wir bekommen unglaublich viele Anfragen“, weiß Hannes, „vor allem die in den letzten Jahren ausgebauten Artist in Residence-Programme in der Altstadtgalerie machen die Stadt zu einem kleinen Hotspot.“ 

Künstler aus China, Norwegen, Italien, Deutschland und Österreich sind dort zu sehen, im Gastatelier Maltator gastieren heuer Petra Mühlmann-Hatzl (Österreich), David Rustom (Libanon) und Felix Malnig (Deutschland, Österreich). Zusätzlich zeigen Gastkünstler im Kunsthandwerkshaus ihre Werke.

Galerie Jens August

Galerie Jens August

Alte Burg zeigt Personale von Valentin Oman

 

 

Nach so vielen Eindrücken darf einer zum Abschluss aber nicht fehlen: Der Blick über die Stadt von der Alten Burg Gmünd aus.

Vorzügliche Spätzle genießt man im dortigen Restaurant. Luk Strasser betreibt seit 1992 mit seiner Frau Ula, einer Schwäbin – daher auch die Spätzlekunst – die denkmalgeschützten Mauern. Schon als er in Gmünd zur Schule ging, hat ihm das Bauwerk fasziniert und so fügte sich schließlich ein Stein in den anderen und auf der Burg fanden mit Unterstützung vom Bundesdenkmalamt neue architektonische Bauweisen mit alten Mauern in einer harmonierenden Symbiose zueinander. 

Ein Highlight auf der Burg ist die diesjährige Personale des renommierten Kärntner Künstlers Valentin Oman. Wie kaum ein anderer hat er die künstlerische Entwicklung Kärntens in den letzten sechs Jahrzehnten mitgeprägt. Ein wahrlich würdiger Abschluss meiner Reise in diese Stadt der Kunst inmitten der Berge.

„Wir lassen Kunst und Kultur für jedes Alter und jeden Geschmack zum Erlebnis werden. Wer selbst kreativ sein möchte, kann bei den Kursen der Sommerakademie teilnehmen“, plaudert Hannes beim Verlassen der Burg noch munter weiter. Nein, kunstvoller geht es wohl kaum, denn Gmünd ist wirklich ein wahrer Verführungs“künstler“.

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