Kunst, kunstvoller, Künstlerstadt Gmünd

Wer Kunst sucht, wird in Gmünd fündig. Hier gastiert seit über 25 Jahren ein kunterbuntes Ensemble an heimischen, nationalen und internationalen Kunstgrößen. Albrecht Dürer, Werner Berg, Alfred Kubin, Francisco de Goya, Joan Mirò – von allen konnte man schon Werke in der mittelalterlichen Stadt bewundern. Heuer wird die Ausstellung Henri Matisse „Jazz und Poesie“ gezeigt.

Künstlerstadt Gmünd

Die Idee, eine Künstlerstadt ins Leben zu rufen, war 1991 die Antwort der Stadt Gmünd auf schleichende Abwanderung und leerstehende Häuser. Hier, inmitten der südlichen Berge des Alpenhauptkammes, am Schnittpunkt des Nationalparks Hohe Tauern und des Biosphärenparks Nockberge, zogen andere aus und die Kunst zog kurzerhand ein. Man gab der Vision eine Chance, versammelte kreative Köpfe, restaurierte liebevoll alte Häuser und verpasste diesen mit Galerien, Ateliers und Ausstellungsräumen einen neuen Anstrich. Was klein begann, erhob sich rasch zum Best Practice Beispiel regionaler Stadtentwicklung, zog Jahr für Jahr mehr Besucher an (2.600 Einwohnern stehen rund 125.000 Tagestouristen pro Jahr gegenüber) und konnte 2011 stolz den europäischen Tourismuspreis EDEN AWARD für sich entscheiden.

Grund genug also, um dem mittelalterlichen Städtchen einen ausgedehnten Besuch abzustatten. Wer zum ersten Mal durch die historischen Gassen schlendert, sollte sich am besten an die Fersen eines „art guides“ heften, der einem die Künstlerstadt in all ihren Facetten zeigt. Mein Guide für den heutigen Nachmittagsausflug heißt Hannes. Er kennt die Stadt wie seine Westentasche, weiß zu jedem Winkel etwas zu erzählen, nennt sich selbst gerne mal scherzhaft „Mädchen für alles“ und gehört wie viele anderen zur Seele der Stadt.

 „Gmünd ist immer eine Reise wert. Man wird immer Neues entdecken, neue Künstler kennenlernen, neue Erfahrungen austauschen. Man kann Frühaufsteher oder Langschläfer sein, sich schon lange für Kunst interessieren oder diesbezüglich noch grün hinter den Ohren sein – das ist vollkommen egal, denn die Stadt hat für jeden etwas zu bieten. Die Kunst muss nicht jedem gefallen, unser Ziel ist es lediglich, dass man sich mit Kunst beschäftigt“, erklärt er die Philosophie.

art guide Hannes

Film/Kunst ab!

Um einen Überblick über das Angebot zu bekommen, gibt es zu Beginn einen kurzen Film im Kulturkino Gmünd. Die dortigen Stühle stammen übrigens noch aus der Zeit der Grafen Lodron und wurden eigens aus Italien über kleine Umwege nach Gmünd gebracht. Der Film zeigt, wie in 20 Häusern die Kunst gelebt wird: Galerien, Ausstellungen und Ateliers haben von Mai bis Oktober täglich geöffnet, Eintritt zahlt man lediglich im Stadtturm, ansonsten kann man quer durch eine der lebendigsten und vielfältigsten Städte Österreichs flanieren und zeitgenössische Kunst kennenlernen, ohne dabei groß den eigenen Geldbeutel zu beleidigen.

Jazz und Poesie von Henri Matisse

Über den beeindruckenden und leicht skurrilen Skulpturenpark des heimischen Künstlers Fritz Russ und der Fotogalerie Krämmer führt uns unsere Reise weiter zum Stadtturm. Heuer wird die Ausstellung Henri Matisse „Jazz und Poesie“ einen Querschnitt durch das brillante und äußerst rare graphische Œuvre des großen französischen Meisters zeigen. 

Die Ausstellung spannt einen Bogen von frühen Akt- und Portraitdarstellungen der 1920er Jahre bis hin zu den wunderbaren, im Abstraktionsgrad stark fortgeschrittenen lithografierten Frauenportraits der 1950er Jahre. Erstmals sind in Kärnten alle 20 Lithografien aus seinem berühmten Künstlerbuch Jazz zu sehen (bis 30. September). Darüber hinaus gibt es wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Matineen, Filmvorführungen und einem spannenden Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Schulen.

Eine Herzensangelegenheit

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Skulpturengarten Fritz Russ

Skulpturengarten Fritz Russ

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In der Hausgalerie von Birgit Bachmann und Fritz Russ

In der Hausgalerie von Birgit Bachmann und Fritz Russ

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Skulpturengarten Fritz Russ

Skulpturengarten Fritz Russ

Definitiv beeindruckt geht die Reise weiter und während wir durch die Gassen schlendern, merke ich es bereits – diese Stadt hat mein Herz erobert. Man riskiert gerne einen zweiten Blick in die malerischen Gassen mit ihrem italienischen Flair. In liebevoll restaurierten Häusern warten teils kuriose Überraschungen und überhaupt hat sich hier so gut wie jeder der Kunst verschrieben, wie man in den einzelnen Ausstellungen in den kleinen, aber feinen Galerien der Stadt sieht. 

Die Kunst in der Stadt wächst und wächst und die Künstler pilgern mittlerweile nach Gmünd. „Wir bekommen unglaublich viele Anfragen“, weiß Hannes, „vor allem die in den letzten Jahren ausgebauten Artist in Residence-Programme in der Altstadtgalerie machen die Stadt zu einem kleinen Hotspot.“

Kunsthochburg und Spätzleburg

 

 

Nach so vielen Einblicken darf einer zum Abschluss aber nicht fehlen: Der Blick über die Stadt von der Alten Burg Gmünd aus.

Vorzügliche Spätzle genießt man im dortigen Restaurant. Luk Strasser betreibt seit 1992 mit seiner Frau Ula, einer Schwäbin – daher auch die Spätzlekunst – die denkmalgeschützten Mauern. Schon als er in Gmünd zur Schule ging, hat ihm das Bauwerk fasziniert. 

Und so fügte sich schließlich ein Stein zum anderen und auf der Burg fanden mit Unterstützung vom Bundesdenkmalamt neue architektonische Bauweisen mit alten Mauern in einer harmonierenden Symbiose zueinander. Nein, kunstvoller geht es wohl kaum, denn Gmünd ist wirklich ein wahrer Verführungs“künstler“.

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