Kaffee mit dem Kaiser
Franz Klammer über Olympia, Risiko und seine Heimat Kärnten

Er ist eine Ski-Ikone und ein echtes Kärntner Original. Zum 50-jährigen Jubiläum seines legendären Olympiasiegs trafen wir Franz Klammer zum Kaffee in der Klagenfurter Innenstadt. Mit Schmäh sprach er über seine wilde Zeit, skurrile Werbeauftritte und warum er Kärnten bis heute treu geblieben ist.

Interview: Ljubisa Buzic

Eine augenzwinkernde Frage zu Beginn: Wenn ein Außerirdischer in Kärnten landen würde und fragt: „Warum ist Franz Klammer in Österreich ein Superstar?“ Was würden Sie antworten?

Franz Klammer: Das ist schwierig, weil man sich selbst schwer erklären kann. Aber wahrscheinlich war es meine Art zu fahren. Nicht ganz herkömmlich, eher wild. Und vielleicht auch wegen meiner Art als Mensch. Ich glaube, diese Mischung war entscheidend.

Und wenn der Außerirdische fragt: Warum sind die Österreicher so verrückt nach Skifahren?

Franz Klammer: Weil wir schöne Berge haben und Skifahren einfach der schönste Sport ist. Österreich ist die Wiege des alpinen Skisports. Wir sind ein Alpenland, eine Skination. Und Skifahren ist bei uns der wichtigste Sport.

Derzeit laufen wieder Olympische Winterspiele. Wie schaut sich Franz Klammer heute Skirennen an? Auf der Couch mit Popcorn, allein oder in Gesellschaft?

Franz Klammer: Am liebsten allein auf der Couch. Da kann ich auch mal schimpfen. In der Öffentlichkeit geht das nicht so gut. (lacht) Aber natürlich bin ich oft auch vor Ort. Grundsätzlich schaue ich fast jedes Rennen, wenn es irgendwie geht. Damen wie Herren. Der Skisport interessiert mich nach wie vor.

Ihr Olympiasieg jährt sich heuer zum 50. Mal. Man sieht wieder diese berühmten Bilder von der Abfahrt. Würden Sie mit dem gelben Skianzug heute noch einmal auf die Piste gehen?

Franz Klammer: Nein, das geht sich nimmer aus. (lacht) Bei den Oberschenkeln flattert’s und um den Bauch bring ich ihn auch nicht mehr zu, obwohl er sich dehnt. Der Anzug ist einfach nicht mehr das richtige Outfit für mich.

Franz Klammer 1976 Innsbruck

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Wenn es damals mit dem Skisport nicht geklappt hätte, was wäre aus Franz Klammer geworden?

Franz Klammer: Wahrscheinlich Holzknecht. Ich habe als Bursch viel im Wald gearbeitet. Ein Sicherheitsnetz neben dem Sport gab es damals keines. Ich bin immer ohne doppelten Boden unterwegs gewesen. Also vermutlich wäre ich beim Holz geblieben.

Holzbrettln schneiden statt auf Holzbrettln stehen?

Franz Klammer: Ja, genau. (lacht)

Sie waren schon vor dem Olympiasieg bekannt, danach endgültig Nationalheld. Mit der Prominenz kamen Werbung, Auftritte, Anfragen ohne Ende. Rückblickend gefragt: Was war die blödeste Aktion, bei der Sie mitgemacht haben?

Franz Klammer: Da waren einige dabei. (lacht) Einmal haben Werner Grissemann und ich fürs Sporthilfe-Quiz einen Werbespot gedreht. Das wurde sogar das „Hoppala des Jahres“, weil wirklich alles schiefgegangen ist. Ich hab einmal einen Spot für Gasheizungen gemacht. Mein einziger Satz war: „Brrrr, heute ist’s wieder kalt.“ Meine Tochter war damals in der Volksschule. In der Klasse haben alle nur mehr „Brrrr, heute ist’s wieder kalt“ gesagt. (lacht) Das war ihr furchtbar peinlich. Ich hab sogar mal den Mozart gespielt. Oder einen Spot mit einem Papiersack über dem Kopf gemacht. Es war wirklich alles dabei.

Gab es auch Anfragen, bei denen Sie gesagt haben: Nein, das ist mir zu blöd?

Franz Klammer: Blöd ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich muss mich mit dem Produkt identifizieren können. Wenn das nicht passt, lasse ich es. Für Milch könnte ich zum Beispiel keine Werbung machen, weil ich keine mag. Bei Bier geht es leichter. (lacht) Man muss überzeugt sein, sonst ist es nicht glaubwürdig. 

Auf dem Weg durch die Klagenfurter Innenstadt hierher sind Sie schon mehrmals erkannt worden. Können Sie in Österreich überhaupt irgendwo unbemerkt hingehen?

Franz Klammer: Nicht wirklich. Aber man gewöhnt sich daran. Und ehrlich gesagt: Ich finde es angenehm. Die meisten Leute sind sehr höflich, sagen Grüß Gott oder sprechen einen kurz an. Das passt schon.

Franz Klammer – der Kaiser, die Legende

Name: Franz Klammer
Spitzname: „Der Kaiser“ 
Geboren: 3. Dezember 1953 in Bad Kleinkirchheim

  • An Kärnten liebe ich die Natur, aber auch die Mentalität der Menschen. Egal, wo man hinkommt, man wird gut aufgenommen.

    BKK Early Morning Skiing Franz Klammer
    BRM@Mathias_Praegant
    Franz Klammer - 1976 Olympiasieger

Was war denn das skurrilste Erlebnis mit einem Fan?

Franz Klammer: Einmal kommt eine Dame zu mir und fragt: „Kennen Sie mich nicht?“ Ich sage: „Nein.“ Darauf sie: „Ich bin doch in Kitzbühel in der Kurve gestanden und hab Sie angefeuert!“ Ich hab gesagt: „Es tut mir leid, aber so viel Zeit zum Schauen hatte ich beim Fahren nicht.“ (lacht)

Kurzer Themenwechsel: Der Skisport ist heute extrem professionalisiert. Zu Ihrer Zeit war wohl etwas mehr Spaß dabei?

Franz Klammer: Heute ist alles viel aufwendiger. Zeitaufwendig, materialaufwendig. Auch die Pisten haben sich verändert. Nach wie vor schwer, aber viele grobe Stellen wurden entschärft. Früher konntest du mit Risiko eine halbe Sekunde rausholen. Diese Chancen gibt es nicht mehr. Heute geht es um Zehntel und Hundertstel. Das ist harte Arbeit.

Und das Feiern?

Franz Klammer: Gefeiert wird noch immer. Das gehört dazu. Für mich war das wie ein Bogen: Unter der Woche hast du die Spannung aufgebaut und am Samstag alles losgelassen. Und dann am Sonntag startest du wieder neu.

Gibt es heute Fahrer, denen Sie besonders gern zuschauen?

Franz Klammer: Da gibt es einige. Ein Marco Odermatt, ein Dominik Paris, ein Vincent Kriechmayr. Odermatt ist ein Erlebnis. Und der Franjo von Allmen, der scheißt sich nix. Der erinnert mich an meine Jugend. Beim Manuel Feller kann man kaum hinsehen, weil man ständig glaubt, jetzt fliegt er raus. Wahrscheinlich bin ich früher genauso gefahren. Gute Typen gibt es also noch immer, nur fürs Drumherum bleibt heute kaum Zeit. Wir konnten am Nachmittag gemütlich einen Kaffee trinken gehen. Das ist heute kaum mehr drin.

Sie sind in Kärnten geboren und durch Ihre Karriere in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Woran erkennt man einen Kärntner im Ausland, abgesehen vom Dialekt?

Franz Klammer: An der Gemütlichkeit. An dieser Art, alles ein bisschen auf sich zukommen zu lassen, eher nach dem Motto: Wird schon gehen.  Die Mentalität ist locker, man lässt die Dinge kommen. Ich glaube, Kärntner sind sehr gut im Improvisieren.

Wichtigste Siege

Olympiasieger Abfahrt 1976 in Innsbruck
Zweifacher Weltmeister
Fünffacher Abfahrtsweltcupsieger
26 Weltcupsiege insgesamt, davon 25 in der Abfahrt

Gibt es ein kärntnerisches Lieblingswort, das in Österreich sonst niemand versteht?

Franz Klammer:  „Fertn“. Das heißt „voriges Jahr“. Fertn bin ich schnell gefahren. Fertn war’s kalt. Fertn war’s furchtbar. (lacht)

Was lieben Sie an Kärnten besonders?

Franz Klammer: Die Natur, aber auch die Mentalität der Menschen. Egal, wo man hinkommt, man wird gut aufgenommen. Vielleicht bin ich da nicht ganz objektiv. (lacht) Aber ich mag auch die vielen Feste, den Sommer an den Seen, das Radlfahren. Und im Winter natürlich das Skifahren. Kärnten ist einfach meine Heimat. Das ist es, was ich daran liebe.

Wenn Sie jemanden, der zum ersten Mal in Kärnten ist, an der Hand nehmen könnten und an drei Orte teleportieren dürften, welche wären das?

Franz Klammer: Da habe ich fast ein Problem. Ich bin so viel unterwegs, dass ich, wenn ich da bin, am liebsten einfach daheim bleibe. Im Mooswald, dort, wo ich aufgewachsen bin. Für mich sind das die schönsten Orte, auch wenn es nichts Spektakuläres ist, was man einem Besucher zeigen würde. Natürlich sind wir Kärntner stolz auf den Großglockner, den höchsten Berg Österreichs. Und Heiligenblut ist schon etwas ganz Besonderes. Dieser Berg, wie er dasteht, das ist schon majestätisch. Aber ganz ehrlich gesagt: Man findet mich auch sehr oft am Golfplatz. (lacht)

Was ist denn das größte Missverständnis über Kärnten in Österreich?

Franz Klammer: Dass man hier angeblich nicht Skifahren kann. Was ja überhaupt nicht stimmt. Wir haben die meisten Abfahrts-Olympiasieger in Österreich: drei Kärntner, zwei Tiroler und zwei Vorarlberger. Sieben insgesamt, und drei davon kommen aus Kärnten. Irgendwo muss das ja herkommen.

Vielleicht zum Abschluss: Woran soll man sich irgendwann an Franz Klammer erinnern, abseits von Medaillen und Siegen?

Franz Klammer: Ich hoffe schon, dass ich als Mensch einen Eindruck hinterlassen habe. Dass man sagt: Auf den konnte man sich verlassen. Dass ich Leute inspiriert habe. Und dass es nicht nur ums Skifahren gegangen ist, sondern um mehr als das.

Franz Klammer

Warum er zur Legende wurde:

Klammer fuhr kompromisslos. Sein Stil war wild, risikobereit und spektakulär. Genau das machte ihn zum Publikumsmagneten. Das berühmte Olympiarennen 1976 gilt bis heute als eine der dramatischsten Abfahrten der Sportgeschichte. Klammer riskierte alles, kam mehrmals an die Grenze des Sturzes und gewann dennoch Gold. Ein Lauf, der Skigeschichte schrieb.

Nach der Karriere:

Auch nach dem aktiven Sport blieb Klammer dem Skisport verbunden, als Botschafter, Kommentator und Stimme des alpinen Rennsports. Für viele Österreicher ist er bis heute das Gesicht einer Ära, in der Skifahren Abenteuer war.

Mooswald:

Sein persönlicher Rückzugsort. Kein Ausflugsziel, aber ein Stück echtes Kärnten. Für Klammer der Platz, an dem Heimat mehr bedeutet als Aussicht.

Kärnten erleben – auf den Spuren von Franz Klammer

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