Christine Lavant
Sie kamen aus Kärntens Dörfern, Tälern und aus Bürgerhäusern in Klagenfurt oder Villach. Sie schrieben Weltliteratur und gewannen Olympiagold. Sie mischten die Kunstszene auf und waren historische Persönlichkeiten, die das Land prägten. Auf den Spuren sechs großer Töchter Kärntens.
Der Name Ingeborg Bachmann ist untrennbar mit Kärnten verbunden. Die Schriftstellerin wurde 1926 in Klagenfurt geboren und ist eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Sie war eine frühe, sehr moderne weibliche Stimme in der Literatur und hat das Kulturleben des Landes geprägt wie kaum eine andere. Seit vielen Jahren sind die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, bei denen der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben wird, eine der wichtigsten Literaturveranstaltungen im deutschsprachigen Raum.
Das Haus ihrer Kindheit und Jugend ist heute als Literaturhaus und Museum ein fixer Bestandteil der Klagenfurter Kulturszene.
Bachmann-Raum mit Dokumenten und ein Folder für einen selbstständigen „Bachmann-Spaziergang“ durch die Stadt.
Die Schule, an der sie maturierte und ihre frühe Lyrik schrieb, gehört auf jeden Fall zu einem Spaziergang auf Bachmanns Spuren dazu.
Am Namen Christine Lavant kommt man in Kärnten kaum vorbei. Die Künstlerin wurde 1915 in Großedling bei St. Stefan im Lavanttal geboren und wuchs in bitterer Armut als eines von neun Kindern auf. Chronische Krankheiten und Klinikaufenthalte prägten ihre Texte, in denen religiöse Bilder, psychische Krisen und soziale Not eindringlich verknüpft werden. Sie veröffentlichte ab den 1940er/50er-Jahren Gedichte und Prosa, erhielt mehrere Literaturpreise, blieb aber lange eine „Randfigur“ des Literaturbetriebs. Ihren Künstlernamen wählte sie übrigens nach dem Fluss Lavant bzw. dem Lavanttal, dem sie sich stets verbunden fühlte.
Regionalmuseum mit Lavant-Schwerpunkt: ihre Schreibmaschine, persönliche Gegenstände und Teile ihrer Bibliothek sind hier ausgestellt, dazu erfährt man viel über ihr Leben und Werk.
Am südlichen Ortseingang steht ihr Geburtshaus, die Bäcklkeusche. Unweit davon liegt das Anwesen der Familie Juri, wo sie zeitweise lebte. Ihr langjähriger Wohnsitz war das ehemalige Kaufhaus Lintschnig, wo heute eine Gedenktafel an sie erinnert. Am Friedhof St. Stefan befindet sich das Ehrengrab der Künstlerin.
Christine Lavant
Sie ist eine der erfolgreichsten Frauen im österreichischen Wintersport. Anna Gasser, 1991 in Villach geboren, ist Snowboarderin und zweifache Olympiasiegerin im Big Air (Pyeongchang 2018, Beijing 2022), dazu Weltmeisterin und X-Games-Siegerin. International Aufsehen erregte sie als erste Frau, die einen Cab Triple Underflip gestanden hat. Sie pendelt oft zwischen Kärnten und Trainingsorten wie dem Kreischberg, blieb aber ihrem Heimatbundesland als mehrfache Sportlerin des Jahres eng verbunden.
Anna Gassers Geburts- und Heimatstadt; hier finden Ehrungen und Empfänge statt, etwa im Rahmen der „Nacht des Sports“.
Einer ihrer Trainingsorte in Kärnten, und beliebter „Spielplatz“ der Doppel-Olympiasiegerin, mit Sprungschanzen und Park-Elementen.
Außergewöhnliche Frauen gab es auch im 16. Jahrhundert in Kärnten. Anna Neumann von Wasserleonburg wurde 1535 in Villach geboren und war eine der reichsten Frauen ihrer Zeit. Durch sechs Ehen, geschickte Schuldenpolitik und Erbschaften brachte sie große Besitzungen zusammen, darunter die Herrschaft Murau, die sie über Jahrzehnte maßgeblich prägte.
Sie war evangelisch, ließ Spitäler ausbauen, förderte Pfarrer und geriet gleichzeitig in Hexereiverdacht. Ihr letzter Ehemann Karl von Schwarzenberg wurde durch ihr Vermögen zum Stammvater der Schwarzenberg-Dynastie. Damit steckt in ihrer Lebensgeschichte auch einiges an europäischer Hochadelsgeschichte.
Ihr Herkunftsort: die Burg liegt spektakulär über dem Gailtal. Sie wird heute als Hotel genutzt und ist von außen frei erlebbar.
Ihre Geburtsstadt Villach hat eine Straße nach ihr benannt: den Anna-Neumann-Weg nahe der St. Johanner-Höhenstraße.
Anna Neumann von Wasserleonburg
Was wäre Kärnten ohne Musik und gute Laune? Kaum eine andere steht so sehr für diese Lebensfreude wie Schlagerstar Melissa Naschenweng. Sie wurde 1990 in Villach geboren und wuchs im Lesachtal auf, wo sie musikalisch sozialisiert wurde. Heute ist die „Alpen-Barbie“ eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Schlager- und volkstümlichen Pop-Acts, bekannt für ihre pinke Ziehharmonika und Lieder wie „I steh auf Bergbauernbuam“. Sie positioniert sich bewusst als moderne, selbstbestimmte „Dirndl“-Figur und spielt mit dem Gegensatz zwischen Tradition und Pop.
Ihr aktueller Lebensmittelpunkt liegt im malerischen Lesachtal. Die Landschaft war bereits Drehort vieler ihrer Musikvideos.
Dass sie nicht nur singen kann, sondern auch eine talentierte Schauspielerin ist, beweist Melissa bei ihrer ersten Hauptrolle in einem TV-Film. Der Heimatfilm „Herzklang – zurück zu mir“ wurde im Sommer 2025 im Kärntner Drautal gedreht und wird 2026 im ORF ausgestrahlt.
Eine moderne Malerin, die internationalen Ruhm erlangte. Maria Lassnig wurde 1919 in Garzern, Gemeinde Kappel am Krappfeld, geboren und gilt als Pionierin der „Körperbewusstseins-Malerei“. Nach ihrer Kindheit bei der Großmutter im ländlichen Krappfeld zog sie in den 1920ern nach Klagenfurt, maturierte an der Ursulinen-Schule, bevor sie ab 1941 an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte.
Sie lebte und arbeitete in Paris, New York und Wien, malte radikale, oft schonungslose Selbstbilder, erhielt den Großen Österreichischen Staatspreis und war eine der ersten Professorinnen an einer Kunsthochschule in Österreich. Weniger bekannt: Sie kaufte die alte Volksschule in Feistritz ob Grades als Sommeratelier und arbeitete dort bis ins hohe Alter.
Das Dorf positioniert sich explizit als „Geburtsort von Maria Lassnig“. Hier kann man der Kindheit der Künstlerin nachspüren.
Lassnigs Atelier, an dem seit 2019 eine Gedenktafel an sie erinnert; 2025 wurde es saniert und als historischer Ort zugänglich gemacht.
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