Zug um Zug auf den Berg

von Sabine Weyrer April 2017

Der erste Naturpark Kärntens feiert heuer sein 15-jähriges Jubiläum. Ein Grund mehr Villachs Hausberg, dem Dobratsch, einen ausgedehnten Besuch abzustatten. Wobei, Gründe gibt es ohnehin schon mehr als genug, aber lest selbst.

„Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen.“ Dies wusste einst schon der französische Schriftsteller Georges Duhamel und diesem Sprichwort wollen wir heute folgen. Schritt für Schritt versteht sich. Daher geht es vorerst stressfrei und entspannt mit der Bahn Richtung Villacher Hauptbahnhof. Dort angekommen wechseln wir vom Zug in den Naturpark-Shuttle und schlängeln uns kurz darauf die 116 Kurven der 16,6 Kilometer langen Villacher Alpenstraße hinauf zur Rosstratte und somit mitten hinein, in das Herz des Naturparks Dobratsch. Und wie war das anfangs gleich nochmal mit den unzähligen Gründen für einen Besuch gemeint? Ein traumhafter Südblick, soweit das Auge reicht, idyllische Wege zum Wandern, Reiten und Radfahren, Erlebnisspielplätze für die Jüngsten, Wildtierbeobachtung mit Naturpark-Ranger für alle – hier findet garantiert jeder seinen ganz persönlichen Bergmoment.

Auf den Spuren des Jägersteiges

Die Julischen Alpen lachen herauf

Aussichtsplattform Gams- und Gipfelblick

Tief blicken, weit sehen

Wir entscheiden uns heute für einen Aufstieg zum Gipfel über den rassigen Jägersteig, direkt entlang der Südwand mit spektakulären Einblicken in deren Steilhänge und mit tierischen Ausblicken auf Flugkünstler Alpendohle und Kletterprofi Gams. 475 Höhenmeter warten darauf, bewältigt zu werden. Die markante Südflanke des Berges geht auf einen gewaltigen Bergsturz im Jahr 1348 zurück – damals donnerten rund 150 Millionen Kubikmeter Fels ins Tal hinab und verschütteten der Überlieferung nach 17 Dörfer. Die „Schütt“ am Fuße des Berges mit ihrer artenreichen Flora und Fauna zeugt heute noch von dem tragischen Unglück.

Am Jägersteig gewährt uns der Berg immer wieder gewaltige Tiefblicke. Wer den Blick jedoch nicht senkt, sondern vielmehr hebt, wird seine Augen von einem weiteren Naturjuwel kaum losreißen können: Die Julischen Alpen zieren nämlich den Berghorizont gen Süden und die mächtigen und bekannten Gipfel wie Mangart, Triglav, Jalovec und Montasch sorgen bereits für weitere kühne Bergsteigergedanken in unseren Köpfen. Diese Berg-Sicht genießt man am besten am sogenannten Gams- und Gipfelblick, einer Aussichtsplattform, die einen schier zu den entfernten Gipfeln abheben lässt. Nach kurzer Rast führt der Weg weiter über Stock und Stein und ausgedehnte Latschenfelder hinauf zum markanten Gipfelplateau des Dobratsch.

Dem Himmel so nah

Auf 2.166 Meter angekommen erwartet uns nicht nur das obligatorische Gipfelkreuz, sondern eine weitere Besonderheit dieses Berges: Zwei Kirchen trotzen hier seit Jahrzehnten Wind und Wetter, tosendem Sturm und eisigem Schnee. Die Knappenkirche „Maria am Stein“ ist Europas höchstgelegene Wallfahrtskirche und wurde 1692 erbaut. 300 Meter weiter entfernt ragt die „Windische Kirche“ am Berghang empor, welche dem Fest Maria Himmelfahrt geweiht wurde. Die Sage besagt, dass eine adelige Dame die Kapelle nach einer Marienerscheinung erbauen ließ.

Energieautark mit köstlicher Küche

Und noch ein geschichtsträchtiges Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nähe: Das aus dem Jahr 1810 stammende, ehemalige Ludwig-Walter-Haus wurde vor wenigen Jahren umgebaut und als energieautarkes Gipfelhaus neu errichtet. Hier stärken wir uns nach dem Aufstieg mit herzhafter Kärntner Hausmannskost für den bevorstehenden Abstieg. Wer hingegen noch etwas verweilen möchte und – ich kann es jedem wirklich nur empfehlen – einen unvergesslichen Sonnenuntergang am Gipfel nicht vermissen möchte, der sollte sich eines der 40 Betten reservieren und dort nächtigen. Diesen Anblick vergisst man sein ganzes Leben nicht, versprochen.

 

Heute müssen wir uns für dieses Mal leider wieder vom Berg verabschieden und Richtung Tal aufbrechen. Aber natürlich nicht, ohne vorher nochmals bei der Rosstratte einzukehren und eine verlockende Nachspeise zu verkosten. Buchteln mit Vanillesauce – wie damals bei der Großmutter – lassen Kindheitserinnerungen wahr werden und den Wandertag in dieser prächtigen Naturlandschaft süßest ausklingen. Fehlt somit nur noch der Sprung in einen der blitzblauen Kärntner Seen, die man vom Berg aus schon voller Vorfreude anvisieren konnte. Ob Faaker See, Ossiacher See oder Wörthersee – die Kärntner Natur lässt da ja wahrlich keine Wünsche offen.

Geheimtipps:

Dobratsch Gipfel mit dem Sender

Für die grüne Anreise: Naturpark-Shuttle

Wer die Natur und seine Muskeln schonen möchte, gelangt im Sommer drei Mal die Woche mit einem umweltfreundlichen Shuttlebus in den Naturpark – und das mit der Erlebnis CARD der Region Villach völlig kostenlos. Der Shuttle fährt von 3. Juni bis 14. Oktober.

Die Alpendohle stellt ihre Flugkünste zur Schau

Für die Wilden: Wildtierbeobachtung

Einen Hochgenuss für alle Naturliebhaber verspricht die Wildtierbeobachtung am Dobratsch. Vom Rosstratten-Parkplatz aus geht es frühmorgens mit dem Naturpark-Ranger über das mächtige Gipfelplateau bis zur neu errichteten Aussichtsplattform „Gams- und Gipfelblick“. Steinadler ziehen hier ihre Kreise und mit ein wenig Glück kann man sogar Birk- und Auerhähne sowie scheue Gämsen beobachten.

Villach mit der Jakobskirche

Für Städtebummler:

Die Draustadt Villach ist nach einem ausgiebigen Besuch am Dobratsch ein perfekter Ausklang mit südlicher Gelassenheitsgarantie. In der Altstadt lässt es sich hervorragend Schaufensterbummeln, ein Eis essen oder das ein oder andere Kulturprogramm genießen.

Infos: https://www.naturparkdobratsch.info  und https://www.region-villach.at/ 

Das Wetter heute, 19. Oktober 2017

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