Bergbauern:
Ein Leben am Steilhang

Heiligenblut. Ein weltberühmtes Postkartenmotiv. Und unser Ausgangspunkt für die zweite Etappe des Alpe-Adria-Trails. Heute erwartet uns eine Reise hinauf zu den Steilhängen der Apriacher Almen. Denn diese Landschaft, die Wanderer und Reisende für die Zeit ihres Aufenthaltes restlos in ihren Bann zieht, ist für andere Heimat und Lebensraum. Man fühlt sich mit dessen Natur, Kultur und Geschichte am Fuße des Großglockners untrennbar verbunden und weiß, wo die eigenen Wurzeln liegen.

Bergbauern_Ein Leben am Steilhang_Startpunkt der Etappe

Hochwasserschutz im Steilhang

Der Weg führt über Wiesenwege und kleine Bachquerungen hinauf zu dem Bergbauerndorf Apriach. Seine Majestät, der Großglockner, will sich nicht zeigen und versteckt sich hinter einer dichten Wolkendecke. Oder wie es ein Einheimischer auf den Punkt bringt: „Seine Majestät ist heute wieder zickig“. Egal, dafür entschädigen die Blicke zum gegenüberliegenden Jungfernsprung, ein Wasserfall, der über 100 Meter in die Tiefe schießt, allemal. Der Grund, warum man sich seit Anbeginn der Bergbauernwirtschaft nicht im Tal angesiedelt hat, ist einfach erklärt: Damals trat die wilde Möll öfters über die Ufer, Hochwasser und Sumpflandschaften waren die Folge. So verlegte man den Getreideanbau kurzerhand einige Höhenmeter nach oben auf rund 1500 Meter Seehöhe.

Bergbauern_Ein Leben am Steilhang_Apriacher Almen

Die Apriacher Stockmühlen

Vorwiegend wurde damals Roggen angebaut, was die berühmten Apriacher Stockmühlen auf den Plan rief. Stock deshalb, weil dieser im Wasser die hölzerne Antriebsachse des Mühlsteins bildete. Die Mühlengebäude stehen daher auf Pfählen über dem Boden, damit das Mühlwasser zu- und abgeleitet werden konnte. Insgesamt gab es acht Mühlen, welche seit den 80iger Jahren nicht mehr in Gebrauch sind und heute als stille Zeugen der einstigen Landwirtschaft fungieren. Der Getreideanbau verschwand zunehmend von den Sonnenhängen, die Äcker wurden vom Grünland abgelöst.

Bergbauern_Ein Leben am Steilhang_Apriacher Stockmühlen_3

Einblick in das bäuerliche Handwerk

Ein Stück weit unterhalb der Mühlen liegt der Mentlhof. Dort erhalten wir einen weiteren Einblick, mit welchen Arbeitsgeräten früher unter mühevollen Bedingungen der Natur das Lebensnotwendigste abgerungen wurde. Heute sind viele der Bergbauernhöfe zwar bewirtschaftet, jedoch nicht im einstigen Ausmaß. Von rund 100 Höfen in Heiligenblut sind drei im Vollerwerb gemeldet. Die Großglockner Hochalpenstraße im Sommer sowie der Liftbetrieb im Winter sichern weitere Arbeitsmöglichkeiten.

Wir verabschieden uns schließlich von dem Bergbauernleben und wandern in Richtung unseres heutigen Tagesziels weiter nach Döllach.

Gastfreundschaft im Döllacher Dortwirtshaus

In Döllach sollte man unbedingt eine ausgiebige Rast beim Dorfwirtshaus einplanen. Hausgemachte Spezialitäten, liebevolle Behaglichkeit, ehrliche Gastfreundschaft. Der 500 Jahre alte Familienbetrieb hat so manche Geschichte zu erzählen und Gastwirt Hubert Ziervogel macht dies gerne.

Bergbauern_Ein Leben am Steilhang_Weg Richtung Döllach

Unterwegs am Alpe-Adria-Trail

Wer seine Reise am Alpe-Adria-Trail über das gleichnamige Buchungscenter bucht, darf auf den kompletten Service der Trail Angels zurückgreifen und der lohnt sich auf alle Fälle: Mobilitätsservice, Bahnhofshuttle ab Mallnitz für eine grüne Anreise, Gepäcktransfer sowie die Trail Angels Service Hotline für sämtliche Fragen.

Motto: Frei wandern und neue Wege auf eigene Faust entdecken, aber sich dabei nie alleingelassen fühlen.
Am besten gleich selbst ausprobieren!

Infos:
www.bookyourtrail.com
www.alpe-adria-trail.com

 

Etappe 2 I Alpe-Adria-Trail

Gehzeit:

4,5 Stunden

Länge:

11,8 Kilometer

Aufstieg:

490 Meter

Abstieg:

787 Meter


30.07.2018 | Bilder, Text & Video: Sabine Ertl

Autorenvorstellung: Sabine Ertl

Ich bin selbstständig mit meiner Werbeagentur Gedankenschmiede ... weil ... ich meinen kreativen Gedanken gerne freien Lauf lasse. Mit Wandern, Laufen, Reiten, Bergsteigen, Reisen und neue Wege entdecken verbringe ich meine Freizeit.

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die einzigartige Vielfalt verpackt in einer unvergleichbaren, bestechenden Schönheit. Das fasziniert mich an Kärnten am meisten: Der Süden spielt wirklich alle Stücke, man muss sich lediglich darauf einlassen. Ich für meinen Teil erlebe das jeden Tag aufs Neue – und das macht Kärnten für mich nun mal so einzigartig lebenswert.

Lieblingszitat: ... alle sagten: „Das geht nicht.“
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.


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