Schatzsuche im versteinerten Urwald

Hier, nahe des kleinen Dörfleins Laas im oberen Gailtal, wurde vor vielen Jahren tatsächlich einmal ein unglaublicher Schatz geborgen. Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges am Pittersberg rund um die Burgruine Gräben aushoben, stießen unverhofft auf eine große Sammlung von sehr alten Goldmünzen aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Vermutlich wurden sie vergraben, als noch edle Ritter und schöne Maiden die Burg bewohnten, von der heute nur mehr Mauerreste übrig sind. Zwei Goldmünzen verblieben in Laas.

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Der große Rest der Münzen ist verschwunden. Keiner weiß, wer den Schatz nahm und was er damit machte, erzählt Gerlinde Ortner, die Leiterin des Geoparks Karnische Alpen, die uns an diesem sonnigen Sommervormittag den Geotrail in Laas zeigt.

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Die beiden verbliebenen Goldmünzen sind auf der Schautafel unterhalb der Burgruine zu bestaunen. Dennoch ist dies längst nicht der einzige Schatz, den dieses idyllische Fleckchen Erde zu bieten hat. 
 
Besonders für kleine Schatzsucher ist der etwa dreistündige Spaziergang am Geotrail eine Abfolge an wundersamen und begeisternden Entdeckungen. Und am Ende bekommt jeder seine eigene, gut gefüllte Schatzkiste. Aber alles der Reihe nach.

Seltenes fossiles Juwel

„Magst versuchen, in einer echten Wassermühle Mehl zu mahlen?“, fragt Gerlinde den 7-jährigen Tomas. Na klar! Erst die Körner in den Trichter, dann mit dem Hebel die Wasserinne richtig über dem Mühlrad platziert – und schon ruckelt der gewaltige Mühlstein darauf los. Nach und nach wird aus den kleinen Schoten feines, weißes Mehl. Ein Wunder der Technik!

Tomas kann’s nicht fassen, dass so wirklich der Grundstoff für seinen geliebten Marillenkuchen entsteht.

Dann geht’s per kindgerecht gestalteter Karte über einen kurzen Waldweg zum ersten echten Schatz in Laas: Dem größten Pflanzenfossil Österreichs – einem riesigen, versteinerten Baumstamm. Der ist rund 280 Millionen Jahre alt und hat viel überdauert. Der Baum war schon da vor der Entstehung der Alpen und sogar schon vor dem Meer, das im Geopark in Stein und Fels viele kleine Fossilien hinterlassen hat. Immer wieder stoßen auch nichtsahnende Wanderer zufällig auf versteinerte Pflanzen, Schnecken oder Asseln, die sich hier in Urzeiten tummelten.

Edelsteine schürfen

Ein paar Schritte später darf dann nach Herzenslust nach edlen, grün und blau funkelnden Steinen geschürft werden. Am Bächlein, das in Richtung Dorf fließt, finden sich jede Menge der jadeähnlichen Schlackensteine aus Zeiten der Eisengewinnung in Laas. Die wurde zwar schon vor 150 Jahren eingestellt, der alte Hochofen ist aber noch heute zu bewundern.
Und die Schlacken, die bei der Erzgewinnung entstanden sind, treiben nach wie vor im Bachbett. Und wer die Augen offen hält, findet hier noch größere Exemplare der minzfarbenen bis türkisblauen Steine.

Nun wartet noch der Höhenpunkt dieser Schatzsuche im versteinerten Urwald: Die Schatzkiste, die hier für jedes Kind vergraben ist. Und zwar, wie sich das gehört, ganz in der Nähe der alten Burgruine. Nach einem kurzen, steilen Aufstieg auf den Pittersberg bekommt Tomas ein GPS-Gerät in die Hand, das ihm die Geopark-Rangerin zuvor genau erklärt. 

Dann lässt er sich, hochkonzentriert auf das Gerät, per Satellitendaten zum richtigen Platz lotsen. Ein kurzer prüfender Blick und schon hat Tomas das kleine Schatzkisterl unterm Laub beim Moosstein entdeckt. Es enthält allerlei edle Steine, kleine Fossilien und ein wenig Süßes zur Belohnung.

„Juhu, ich bin reich!“, jubelt Tomas. Stimmt! – Wir alle sind am Ende der Wanderung um ein paar eindrucksvolle Naturerlebnisse reicher. Die hier, am Geotrail, für Kinder liebevoll und gelungen vermittelt werden.

Angebot "Schatzsuche im versteinerten Urwald" jetzt buchen!

Wochentag:

Jeden Mittwoch (6.7. bis 31.8.2022)

Ausgangspunkt:

Geotrail Laas im Gailtal (Parkplatz Feuerwehrhaus)

Startzeit | Dauer:

10 – 13 Uhr | ca. 3 Stunden

Preis:

Erwachsene oder Kind: € 26,–

Leistung:

Führung durch spezialisierte GeoPark-Rangerin, Schatzkiste pro Kind, 28-seitiges Erdgeschichtebücherl pro Kind, kleiner kulinarischer Gruß aus Kärnten, GPS-Leihgerät und Schatzkarte

Anmeldung:

bis Dienstag 15:00 Uhr
unter Tel. +43 4718 301 33 oder Email: office@geopark-karnische-alpen.at
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Juli 2016 | Bilder und Text: Johanna Wohlfahrt

Autorenvorstellung: Johanna Wohlfahrt

Ich bin als freie Journalistin tätig ... weil ... mich das (Be)-Schreiben seit 20 Jahren nicht mehr loslässt. Meine Freizeit verbringe ich viel mit lesen, kochen, Sport und natürlich mit meinem knapp 8-jährigen Sohn.

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich ihr Facettenreichtum und an schönen Tagen ihre Farbenpracht. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Wanderweg mit freiem Blick auf einen Kärntner See. Davon gibt’s ja einige im Land. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kärntner Faustnudeln von meiner Mama ... weil ... eh klar: Geschmack der Kindheit.

Lieblingszitat: The best is yet to come.


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