Dem Wild auf der Spur

Was man sonst nur aus Tierdokus kennt, erlebt man hier hautnah: Majestätische Rothirsche mitten in ihrem natürlichen Lebensraum. Der Ausflug zur Rotwildfütterung im Biosphärenpark Nockberge in Kärnten ist Abenteuer und Sinnesschulung zugleich. Und eine Auszeit vom Ticken der Uhr. Hier gibt nur die Natur den Takt vor.

Ranger Heinz Mayer

Stapf, stapf, stapf. Der Schnee liegt etwa 30 Zentimeter hoch, Heinz hat das Spuren übernommen, wir stiefeln hinterher. Ruhig ist es hier, beinahe still, wäre da nicht unser Atem, unsere Schritte im Schnee und hin und wieder das Klacken der Wanderstöcke. „Das ist Gift für Wildbeobachtungen. Metallische Klänge vertreiben die Tiere“, lässt uns Heinz wissen. Gut, ab nun also weniger Stockeinsatz. Und mehr Achtsamkeit, was sich links und rechts von uns so tut.

Nockberge im letzten Abendrot

Heinz Mayer entgeht da zum Glück gar nichts. Der Jagaufseher und Biosphärenpark-Ranger führt diesmal die Tour - „Rotwildfütterung hautnah“ heißt das Angebot der Region Biosphärenpark Nockberge. In Wahrheit ist es eine umfassende Schulung der Sinne mit dem Bonus von viel frischer Gebirgsluft. Immerhin befinden wir uns auf beinahe 2.000 Meter Seehöhe, in einem einsamen Berggraben zwischen Königsstuhl und Eisenhut. Bevor wir aber die Visite der prächtigen Hirsche bei der Fütterungsstelle beobachten, erkunden wir das Gelände.

Hier, eine Fluchtfährte von einem ziemlich großen Hirsch“, zeigt Heinz in den Schnee. An den langgezogenen Furchen erkennt er mit einem Blick, dass das Tier es eilig gehabt haben muss.

Spuren im Schnee

„Im Lauf unserer kurzen Wanderung identifiziert er noch Fuchs, Mauswiesel, Schneehuhn, Hase und Tannenhäher an den Abdrücken im Schnee. Letzterer übrigens hat den netten Beinamen „Förster der Zirbe“. Weil er tausende Samen aus den Zirbenzapfen als Wintervorrat auch dort vergräbt, wo normal keine Zirbe hinkommt. An steinigen Hängen in Gratnähe, beispielsweise. An diesen Berghängen tummeln sich im Winter auch gern ganze Gamsrudel.

Wir machen Halt an einer großzügigen Lichtung, um mit den Ferngläsern die Hänge nach ihnen abzusuchen. Heute haben wir Pech. Keine Gams. „Der Wind treibt wohl unsere Gerüche in ihre Richtung. Dann kommen sie nicht hervor.“ Aber an den vielen „Wechseln“ im Hang, den Trittspuren der Gämsen ist zu erkennen, dass die Gegend sonst ziemlich gut bevölkert sein muss.

Füttern ist notwendig

Wir bewegen uns also wieder talwärts, in Richtung der bald 100 Jahre alten Almhütte, die einst landwirtschaftlich genutzt wurde. Heute ist sie Jagdhütte und ein Ort, wo ihr Besitzer Dietmar Rossmann im Winter Heu ausstreut für das Rotwild. 

Seit die Berge intensiv für Waldwirtschaft und Tourismus genutzt werden, haben Hirsche weniger Platz und vor allem zu wenig Ruhe, um energiesparend durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Fütterungsstellen wie diese hier helfen, ihren Fortbestand zu sichern. Immerhin kann so ein Hirsch an die drei Kilo Heu am Tag verdrücken.

Auftritt der Majestäten

Wann werden die Hirsche kommen?

Bei heißem Tee und Kletzenbrot wärmen wir uns in der gemütlichen Hütte erst einmal auf. Und wir nehmen uns Zeit. „Die Hirsche können um halb fünf kommen, oder erst gegen sechs. Aber sie kommen sicher“, weiß Dietmar. Kein fester Termin also – das ist selten geworden heutzutage. Hier oben, mitten in den Nockbergen, hat die Uhr endlich einmal Pause. Den Takt gibt die Natur vor.

Die mutigsten kommen zuerst.

Das letzte Tageslicht fällt gerade durch die kleinen Fenster, wir sitzen plaudernd in der Stube, als Dietmar plötzlich raunt: „Jetzt sind sie da.“ Und sooft man einen Hirsch mit einem ausladenden Geweih vielleicht schon auf Fotos oder im TV gesehen hat: Im echten Leben sind diese Tiere um Vieles edler, majestätischer. Ganz vorsichtig nähern sich drei Tiere, suchen die Gegend minutenlang nach eventuellen Gefahren ab, bevor sie sich am großen Heutrog laben.

Psst! Wild braucht vor allem im Winter viel Ruhe.

Wir stehen wie gebannt am Fenster, beobachten mit Ferngläsern die scheuen Wildtiere, sprechen nur flüsternd miteinander. Ohne Übertreibung: ein fast heiliger Moment. Bis sich die Dunkelheit absenkt auf die Fütterungsstelle und die Konturen der Tiere verschluckt. Dann ist es Zeit, die Heimfahrt anzutreten. Stiller, achtsamer und dankbarer als zuvor.

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