Weitwandern in Kärnten

Die Seetaler Alpen und die Saualpe bilden zusammen einen 50 Kilometer langen Höhenzug, dessen Landschaft an die schottischen Highlands erinnert. Vor dieser beeindruckenden Kulisse im Süden von Kärnten starteten im Juni 2019 zum ersten Mal 450 Teilnehmer zum alpinen Wanderevent Highlander. Und ich bin mitten unter ihnen. Im Rahmen der Weitwanderung können zwei verschiedene Distanzen – 27 (Highlander normal) oder 52,2 Kilometer (Highlander extrem) mit herausfordernden Höhendifferenzen in Angriff genommen werden.

Erlebt von Sabrina Schütt im Sommer 2019

Der frühe Vogel geht weit

Als um 4.30 mein Wecker klingelt, fühle ich mich noch ganz und gar nicht nach Wandern. Vor meinem Fenster kündigt das sanfte Morgengrauen den Sonnenaufgang an und die Vögel singen anscheinend zu dieser Tageszeit aus voller Kehle. Noch einmal Schlummern gedrückt und dann schlüpfe ich in meine Wanderklamotten, fülle meine Wasserflasche auf, beiße nochmal in mein Frühstücksbrot und dann ab ins Auto Richtung Diex. Auf dem Weg sammle ich noch Tatjana ein, die sich heute mit mir dieser Herausforderung stellen will. Von Diex bringt uns ein Shuttlebus zum Start: dem Naturfreundehaus Klippitztörl (1644 Meter). 27 Kilometer, 835 Höhenmeter im Aufstieg und 1321 im Abstieg warten auf uns. Der Veranstalter Robert Graimann hält 7 bis 10 Stunden für realistisch und gibt uns auf den Weg, dass es heute weniger um Geschwindigkeit, als um Genuss geht. Die ambitionierteren Weitwanderer sind ohnehin bereits in der Nacht gestartet und haben, wenn sie unseren Startpunkt und die Hälfte ihrer Strecke erreichen, bereits 25 Kilometer in den Beinen. Insgesamt gehen sie 52 Kilometer, also den gesamten Höhenzug entlang.

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Ein letzter Blick in die Karte

Ein letzter Blick in die Karte

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Original schottische Einstimmung

Original schottische Einstimmung

Mit Dudelsack und guter Laune

Am Start herrscht ausgelassene Stimmung. Ein letzter Blick auf die Karte, den Stempelpass im Rucksack und dann geht es begleitet von Dudelsackmusik pünktlich um acht Uhr los. Gleich zu Beginn fällt mir das intensive Grün hier oben ins Auge. Der Weg wird gesäumt von unzähligen Heidelbeersträuchern und saftigem Gras zwischen den hohen Bäumen. Als wir den Wald verlassen, geht es noch einmal etwas steiler hinauf. Das Teilnehmerfeld erklimmt fröhlich plaudernd, teils schnaufend den ersten kleinen Gipfel, den Geierkogel (1909 Meter). Bald haben wir die ersten 400 Höhenmeter hinter uns gebracht und erhaschen einen Blick auf die noch vor uns liegende Strecke. Immer entlang des Bergrückens liegen noch circa 23 Kilometer durch eine einzigartige Landschaft mit sanften grünen Kuppen, durchsetzt von großen Felsblöcken, vor uns. Links von uns breitet sich das Lavanttal aus, und rechts reicht der Blick bis zu den Karawanken. Immer mehr zieht sich das Teilnehmerfeld auseinander. Meine Befürchtung, ständig in einem großen Pulk zu laufen, bestätigt sich nicht. Auf weiten Teilen der Strecke gehen wir alleine und sehen die anderen Teilnehmer nur als bunte Punkte auf dem Bergrücken verteilt.

Zeit zum Plaudern

Begegnen wir dann doch den anderen Wanderern, ist dies eine willkommene Ablenkung. Man kommt mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch und schnell wird klar, dass unter den Teilnehmern „Highlander normal“, also kaum erfahrene Weitwanderer dabei sind. Nur ein paar haben bereits bei einem Event dieser Art mitgemacht. Die meisten sind Wanderungen um die 15 Kilometer gewöhnt und nutzen die Gelegenheit, sich in diesem Rahmen an eine längere Strecke heranzuwagen. Der Shuttleservice und die Labestationen machen die Unternehmung sehr entspannt. Die Taktiken diese lange Strecke zu meistern sind ebenso unterschiedlich, wie die Teilnehmer selbst. Während manche den Weg ganz gemütlich angehen, die Aussicht genießen, sind andere zielstrebig mit GPS-Uhr und Zeitmessung unterwegs Richtung Ziel. Eine Gruppe gut gelaunter Mädels mit gleichfarbigen bunten Stirnbändern liefert sich währenddessen im kleinen Schneefeld am Wegesrand eine Schneeballschlacht. Die jüngsten Teilnehmerinnen sind gerade mal 12 Jahre alt und versüßen sich die lange Strecke mit ihrer Lieblingsmusik aus dem Handy. Besondere Freude haben wir an einem über 70-jährigen Ehepaar, dem wir immer wieder über den Weg laufen. Nie sind sie um einen lustigen Spruch verlegen, erzählen uns einen kleinen Schwank aus ihrem Leben, ihrer 57-jährigen Ehe, in der sie schon so einige Gipfel bestiegen haben. Wir lernen, dass regelmäßiges Wandern einen bis ins hohe Alter, nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit hält.

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Beeindruckende Landschaft

Beeindruckende Landschaft

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Kleine Abkühlung

Kleine Abkühlung

Wenn die Gedanken stiller werden

Während sich die Strecke gemütlich über den Bergrücken zieht, kann man immer wieder die Gedanken schweifen lassen. Denn beim Gehen über solche Distanz hat man viel Zeit. Unweigerlich kommen Gedanken an die Oberfläche, ziehen wie ein bunter Film vor dem inneren Auge vorbei. Aber irgendwann wird es stiller, die Gedanken werden weniger, und die Augen können sich wirklich für die Umgebung öffnen. Grün und saftig liegt der Weg vor uns. Meist geht es über weiche Wiesen, dann wieder über steinigen Boden, den sogenannten Glimmerschiefer, der in der Sonne funkelt wie Edelsteine. Die grünen Hänge sind bei genauerem Hinsehen übersät mit unzähligen kleinen rosa Blüten. Aber auch der dunkel blau leuchtende Enzian und die weiße sternförmige Alpen Anemone haben sich den Weg durch die Grasdecke gebahnt. Zahlreiche Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte, und immer wieder tauchen neue Felsformationen vor uns auf. Ich kann mich an der Landschaft gar nicht satt sehen. Die Landschaft ist hier so anders als bei mir in den Karawanken und zeigt mir mal wieder, wie vielseitig Kärnten ist.

Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Jeder auf seine Weise

Original schottisch

Auch das Wetter ist heute zunehmend schottisch. Während wir noch bei Sonne starten, nehmen die Wolken und der Wind im Lauf des Tages zu. Die etwas kühleren Temperaturen kommen uns heute aber sehr gelegen. Auch die kurzen Schauer stören nicht weiter, erinnern aber daran, dass man immer gute Kleidung mit auf den Berg nehmen sollte. Bei 35 Grad wäre der heutige Weg ohne Schatten eine ganz andere Herausforderung geworden.

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Wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen

Kurz vor der ersehnten Mittagspause passiert uns ein kleines Malheur. An einer Weggabelung folgen wir, in Gedanken verloren, der überzeugenden Aussage einer anderen Teilnehmerin, zu einer der Hütten abzusteigen. Dort soll ein weiterer Stempel auf uns warten, den wir sammeln müssen, um am Ende des Tages zu belegen, dass wir tatsächlich die gesamte Strecke zurückgelegt haben. Zwei Kilometer und 350 Höhenmeter später wissen wir, dass wir diesen Weg völlig umsonst zurückgelegt haben und merken uns für das nächste Mal, wieder lieber selber in die Karte zu schauen. Für uns heißt es nun also zurück aufsteigen und uns endlich Richtung Mittagessen zu bewegen. Während sich Tatjana noch ein wenig ärgert, nehme ich die Extrakilometer als gutes Training an und merke, wie mir das Gehen mit der Zeit immer leichter fällt.

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

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Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Kleine Stärkung

Kleine Stärkung

Energieschub

Nachdem wir den höchsten Punkt der Strecke, den Ladinger Spitz (2079 Meter), überschritten haben, erreichen wir auf circa der halben Strecke die Wolfsberger Hütte und endlich das ersehnte Mittagessen. Schnell und unkompliziert bekommen wir eine leckere Frittatensuppe aufgetischt und können uns mit Obst und Saft versorgen. Gespräche über Wandererlebnisse erfüllen die Luft. Hier treffen wir heute zum ersten Mal auf die „Highlander extrem“, ausgerüstet wie Profis mit Trinkflaschen und Erste Hilfepackerln in Griffnähe, sind diese Teilnehmer offensichtlich schon erprobter auf solchen Strecken. In der Nacht sind sie gestartet, die durchtrainierten Waden erzählen von vielen gegangenen Kilometern. Auch wir halten unsere Pause kurz. Bleibt man zu lange sitzen, wird es schwer, sich erneut zu motivieren. Immer weiter geht es den Bergrücken entlang. Abseits von Wind, unseren Schritten und hin und wieder den Gesprächsfetzen anderer Teilnehmer ist hier oben kaum etwas zu hören.

Highlander Wanderevent Sabrina Schuett

Den Bergrücken entlang

Zum Abschluss- ein Märchenwald

Der Abstieg beginnt durch einen mystischen Hochwald. Der Weg wird gesäumt von riesigen Ameisenhügeln, die meist ein Zeichen für einen sehr gesunden Wald sind. Auf der Wolfstratte werden wir noch einmal mit Getränken versorgt. 

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Baumflechten - ein Zeichen guter Luft

Die letzten sechs Kilometer führen durch einen märchenhaften Wald.

Ich kann mich gar nicht satt sehen, bleibe immer wieder stehen, um genauer hinzuschauen, kleine wundersame Gebilde auf alten Baumstämmen zu bestaunen und die unzähligen Flechten genauer zu betrachten. Lange Bartflechten hängen von den Bäumen, und ich atme tief ein. Denn Flechten deuten immer darauf hin, dass die Luftqualität hier besonders gut ist. Nicht umsonst werden sie zum Beispiel bei stark befahrenen Straßen als Indikatoren für die Luftqualität verwendet. Hört die Flechte auf zu wachsen, wurde ein Grenzwert überschritten.

Highlander Wanderevent Sabrina Schuett
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Das Ziel ist in Sicht

Das letzte Stück zieht sich nochmal ganz schön.

Doch dann entdeckt Tatjana jauchzend das Ortsschild von Diex, wir biegen noch zweimal ab und haben dank Umweg das Ziel nach acht Stunden erreicht. Die Stimmung ist ausgelassen, alle froh und stolz nach dieser langen Wanderung und auch der Alleinunterhalter kann mit seinen semi guten Witzen die Stimmung nicht weiter stören. Im nächsten Jahr findet das Highlander-Event wieder statt. Für trainierte Wanderer ist die Strecke leicht zu meistern, aber auch weniger Geübte können sich in diesem Rahmen an diese Herausforderung wagen und sich auch von einem Wanderführer begleiten lassen. 

"Fazit von Sabrina: Einen ganzen Tag zu Fuß unterwegs zu sein, ist ein schönes Erlebnis und am Ende des Tages fühle ich mich richtig gut und hätte noch ein paar Kilometer gehen können.

"

Ob ich nächstes Jahr die 52 Kilometer an einem Stück gehen werde, weiß ich trotzdem nicht. Lieber lege ich eine gemütliche Übernachtung in einer der Hütten am Weg ein und genieße eine Nacht in den Bergen. Aber wer eine Wanderherausforderung sucht, findet hier vermutlich den passenden Rahmen.

Info: Highlander – das alpine Wanderevent im Süden Österreichs

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