Romantischer Herbstspaziergang durch den Hajnžgraben

Erlebt von Sabrina Schütt im Herbst 2016

Der Hajnžgraben liegt unterhalb der Košuta im Süden Kärntens. Der rund 9 Kilometer lange Wassererlebnisweges führt uns durch eine beeindruckende Herbstlandschaft vorbei an Wasserfällen, einer Schaumühle und viel wilder Natur. Der Weg ist wenig anspruchsvoll und genau richtig für einen ausgedehnten Herbstspaziergang, der auch für Familien gut geeignet ist.

Der Herbst ist ein zweiter Frühling

 „Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle, vergilbter Glanz von schönen Sommertagen“, schrieb Georg Trakl. Doch dieses Gefühl von melancholischer Trauer über den vergangenen Sommer will sich bei mir nicht einstellen. Vielmehr fühlt es sich an, als würde die Natur ein letztes Mal tief durchatmen und noch einmal in voller Pracht erstrahlen, bevor der Winter eine dicke Schneedecke über Gräser, Bäume und Berge legt. Die Tage können rau sein, der Wind unerbittlich und doch strahlt diese Jahreszeit einen Charme aus, der mich jedes Mal wieder vor die Tür lockt.

Mit Gummistiefeln durch Pfützen rennen, die bunten Blätter in die Luft werfen und dem beeindruckenden Spiel von Licht und Schatten zuschauen, macht für mich den Herbst zu einer besonderen Jahreszeit. Mit einem Blick auf die umliegenden Hänge und all den prächtigen Farben, möchte ich eher Albert Camus zustimmen, der sagte: „Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird“. 

Raus aus dem Nebel, rein in die Sonne

In Kärnten kann man diese Pracht und das warme goldene Licht des Herbstes manchmal wochenlang genießen. Einmal raus aus den nebligen Tälern, strahlt nur ein paar hundert Meter über dem Meeresspiegel die Sonne und taucht die Landschaft in ein warmes Licht. So starten wir heute bei strahlendem Sonnenschein in den Hajnžgraben. 

Die Anfahrt führt uns zunächst nach Zell-Oberwinkel/ Sele Zgornji kot. Hier ragen links und rechts die Hänge steil nach oben und leuchten in den bunten Farben des Herbstes. Entlang der Straße sieht man nur vereinzelt ein paar Häuser. Vom Parkplatz hinter der Grundschule gehen wir die Straße ein Stück zurück und biegen auf den eigentlichen Weg ein. An Samstagen kann man hier auch in der Jausenstation einkehren.

Vom Mähen und Musizieren

Am laut tosenden Bach vorbei führt der Weg in den rot und gelb leuchtenden Wald. Der Wind frischt ein wenig auf und wirbelt die bunten Blätter durch die Luft. In der Ferne schieben sich dicke dunkle Wolken über die Košuta. Die Natur scheint vollkommen lebendig und auch die Geschichte dieses Tals erwacht dank der Erzählungen meiner Begleitung zum Leben.

Sie ist in Zell/ Sele aufgewachsen und jedes Jahr im Herbst kamen hier mehr als 20 Leute aus der Umgebung zusammen, um in Zell- Oberwinkel/ Sele Zgornji kot beim Mähen der Wiesen zu helfen. Am Abend gab es dann für alle die Belohnung. Es wurde ausgiebig gegessen, Musik gespielt und getanzt. Es klingt nach einer schönen Erinnerung an diese vergangenen Tage. Da das Leben der Leute hier oben entbehrungsreich war, war der Zusammenhalt der Gemeinschaft immer ein wertvolles Gut. Hin und wieder sieht man noch ein paar dieser Wiesen, aber viele hat die Natur zurückerobert.

Erinnerungen an drei Schwestern und ein Haus

Einen schmalen Pfad entlang geht es weiter. Hier kommen wir noch an einer kleinen Holzhütte vorbei, die mittlerweile von Ranken wild überwuchert wird. Noch vor ein paar Jahren lebten hier drei Schwestern, komplett autark durch ihre eigene Viehhaltung, Gemüseanbau und das frische Quellwasser vor der Tür. Heute träumen wieder viele Menschen von einem solchen Leben. 

Hier bekommt man einen Eindruck davon, wie entbehrungsreich dieses Leben auch sein konnte. Später am Tag werde ich bei einem Bekannten durch Zufall noch die Schulhefte von einer der Schwestern in den Händen halten, ihre Gedichte lesen und vieles über Viehzucht und Gartenanbau lernen.

Von Wasser, Korn und Geschichten

Wir folgen dem Bachverlauf entlang einiger Wasserfälle bis zur kleinen Schaumühle. Hier erfahre ich, dass früher alle Bauern eine eigene kleine Mühle besaßen. Ich bin überrascht, dass hier oben auf fast 1000 Metern Getreide angebaut wurde.

Es wurde in der Asche der abgerodeten Waldflächen ausgesät und reichte zumindest für die Familie. Das Mahlen des Korns war Aufgabe der Frauen. Während das Korn von der Kraft des Baches gemahlen wurde, blieb ein wenig Zeit um Geschichten an die nächste Generation weiterzugegeben. 

Grüne Wiesen, rote Wälder

Gronik mit Blick auf die Košuta

Mit einem herrlichen Blick auf die Košuta geht es über ein kleines Geröllfeld weiter hinauf, bis wir über den Hajnžbauern beim Gornik Hof herauskommen. Einige sehr alte Holzhütten und Häuser stehen noch. Und auf einmal öffnet sich der Blick und gibt die Sicht auf das Tal frei. Vor uns liegen saftig grüne Hügel, die raue felsige Wand der Košuta, die bunten Bäume und sehr schön gepflegte Bauernhöfe. 

Von hier aus geht es entlang der Forststraße wieder abwärts durch den Wald und immer wieder öffnet sich zwischen den Bäumen der Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge. Den letzten Abstieg unterhalb vom Mlečnik kann man noch über einen steileren Steig hinabgehen oder der Forststraße weiter folgen.

Wieder zurück beim Auto sind wir tief beeindruckt von diesem Spaziergang, freuen uns auf einen heißen Kakao und fahren durch die goldene Herbstlandschaft wieder nach Hause.

Das Wetter heute, 22. Oktober 2017

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